Dallas Buyers Club

Titel: Dallas Buyers Club (Originaltitel: Dallas Buyers Club)
Regie: Jean-Marc Valée
Musik: Verschiedene
Darsteller: Matthew McConaughey, Jared Leto, Jennifer Garner

Mitte der 80er Jahre: Die Diagnose, an AIDS erkrankt zu sein, kommt einem Todesurteil gleich. Passende Medikamente sind rar, beziehungsweise noch in der Testphase und daher nicht über klassische Wege erwerbbar. Hinzu kommt das fatale Unwissen der breiten Bevölkerung, das sich häufig mit Feindlichkeit gegenüber Homosexuellen mischt. Denn in den Augen vieler war AIDS genau das: Eine Schwulenkrankheit. Dieser Ansicht ist auch der Elektriker Ron Woodroof (Matthew McConaughey). Er ist ein Rednack durch und durch, der seine Freizeit mit Rodeos, Saufgelagen, sexuellen Ausschweifungen, Drogen und der Beschimpfung Homosexueller verbringt. Nach einem Arbeitsunfall trifft Woodroof die Diagnose völlig unvorbereitet: Er hat AIDS und laut Meinung der Ärzte nur noch 30 Tage zu leben. Sein komplettes Weltbild bricht zusammen, doch Woodroof gibt nicht auf. Da ihm das amerikanische Gesundheitssystem keine wirkliche Hilfe ist, beschafft er sich jenseits der mexikanischen Grenze verheißungsvollere Medikamente – zunächst nur für sich selbst, doch schon bald erkennt Woodroof eine lukrative Marktlücke: Zusammen mit dem Transgender Rayon (Jared Leto) vertickt er über den sogenannten „Dallas Buyers Club“ Pillen und Vitamine an AIDS-Kranke.

„Dallas Buyers Club“ liefert ein faszinierendes Zeitporträt der 80er Jahre. Dabei hagelt es nicht nur Kritik an der damaligen Gesundheitspolitik, sondern es werden auch unmittelbare menschliche Emotionen eingefangen. Die Unsicherheit und die Angst, die gegenüber der Krankheit AIDS herrschte, werden in äußerst eindrucksvollen Dialogen und Interaktionen eingefangen. Davon abgesehen beinhaltet der Film auch eine ganz aktuelle Brisanz. Denn kann behauptet werden, dass wir heute sämtliche Vorurteile gegenüber AIDS-Kranken abgebaut haben? Oder dass die Pharmaindustrie direkt und ohne andere Interessen für das Wohl der Bedürftigen arbeitet? Und wie stehen Homosexuelle und Transsexuelle denn heute in der Gesellschaft da?

Neben dieser historischen, beziehungsweise politischen Qualität hat „Dallas Buyers Club“ aber vor allem eine andere große Stärke: Die Leistung der Darsteller Matthew McConaughey und Jared Leto. Beide hungerten sich für ihre Rollen mehrere Kilos ab, doch dies ist bei weitem nicht das einzige Element ihres grandiosen Schauspiels. McConaughey dürfte den meisten aus diversen romantischen Komödien bekannt sein, die ich allesamt gemieden habe. Doch mittlerweile durchlebt der Texaner ein wahres künstlerisches Revival und könnte zu einem der wichtigsten Darsteller des Jahres werden. Er trägt „Dallas Buyers Club“ mühelos und überzeugt insbesondere in den Momenten, in denen er alleine und in sich gekehrt versucht, seine Diagnose zu verarbeiten. Aber auch die Szenen, in denen er sich seiner neuen gesellschaftlichen Ausgrenzung bewusst wird, beziehungsweise eine warmherzige Toleranz gegenüber anderen entwickelt, bieten großes Kino. Es sind auch diese Momente, in denen ich dich größte emotionale Nähe zum Film gespürt habe. Ähnlich umwerfend, wenn auch logischerweise mit weniger Szenen, ist Jared Leto als Transgender. Er vermag es, der Figur die genau richtige Mischung aus Skurrilität und Ernsthaftigkeit zu verpassen, damit kein einziger Moment ins Lächerliche abdriftet. Und auch hier sind es die Solo-Szenen, die die größte schauspielerische Wucht entfalten.

Ein paar kleinere Kritikpunkte habe ich dennoch. Etwa im Mittelteil des Films gewinnt ein eher heller und optimistischer Tonfall an Stärke, da es darum geht, eine Art halblegale Firma zu gründen und importierte Medikamente an AIDS-Kranke zu verkaufen. Grundsätzlich sind diese Passagen für den Film wichtig, da sie dem an und für sich schweren Thema eine gewisse Leichtigkeit verleihen, ohne die man wohl stark deprimiert wäre. Auf der anderen Seite fiel mir auf, dass in eben diesem Mittelteil die wirklich packenden emotionalen Szenen, in denen Wut, Verzweiflung und Angst der Darsteller fesseln, ein wenig fehlen. Glücklicherweise kehren diese Elemente am Ende des Films wieder zurück, wenn auch nicht ganz mit der von mir erwünschten Wucht. Ein weiteres kleines Minus stellt Jennifer Garner da, die eine am Gesundheitssystem und der Pharmaindustrie zweifelnde Ärztin spielt. Garner ist in ihrer Rolle zwar akzeptabel und hat auch ein bis zwei stärkere Momente, aber im Endeffekt bleibt sie einfach nur als nette Ärztin mit Bambi-Blick in Erinnerung. Eine andere Schauspielerin, die diese unterschwellige Unzufriedenheit mit intensiverer Präsenz dargeboten hätte, wäre mir lieber gewesen.

Nichtsdestotrotz reiht sich „Dallas Buyers Club“ mühelos in die Reihe der sehr guten Filme ein, mit denen wir dieses Jahr bisher verwöhnt werden. Es gibt eine ganz klare Empfehlung und 8 von 10 Popcornguys!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kino abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s