12 Years A Slave

Titel: 12 Years A Slave (Originaltitel: 12 Years A Slave)
Regie: Steve McQueen
Musik: Hans Zimmer
Darsteller: Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Benedict Cumberbatch

Der schwarze Geigenspieler und Familienvater Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor) lebt 1841 als ein freier Mann in den Nordstaaten, als er das lukrative Angebot, vor einem größeren Publikum zu spielen, annimmt. Die vermeintlichen Kunden entpuppen sich jedoch als Kriminelle und verkaufen den Musiker in die Sklaverei. Unter seinem neuen Namen Platt wird er nach New Orleans verschifft, wo er vom Plantagenbesitzer William Ford (Benedict Cumberbatch) erworben wird. Dieser hat ein eher mildes Gemüt und es gelingt dem gebildeten Northup, sich die Gunst seines Masters zu verdienen. Nach einem Zwischenfall mit einem Aufseher (Paul Dano) wird der Sklave jedoch an einen anderen Besitzer weitergereicht, und zwar an den gnadenlosen Edwin Epps (Michael Fassbender). Spätestens hier erlebt Northup die Hölle auf Erden und das einzige, was ihn am Leben festhalten lässt, ist der Gedanke an die Rückkehr zu seiner Familie.

Regisseur Steve McQueen scheint sich grob dem Thema Gefangenschaft verschrieben zu haben. In seinem ersten Kinofilm „Hunger“ ging es um einen inhaftierten IRA-Terroristen im Hungerstreik, während sich „Shame“ auf einen von seiner Sexsucht unterjochten Mann drehte. Nun widmet sich McQueen einem der dunkelsten Kapitel der amerikanischen Geschichte und stützt sich dabei auf die autobiographischen und beinahe völlig ignorierten Aufzeichnungen von Solomon Northup. Hierbei wird das Thema der Sklaverei von jeglicher falschen Romantik befreit und in seiner ganzen Härte schonungslos dargestellt.

McQueen hat seine Wurzeln in der bildenden Kunst, was man unter anderem an seiner Liebe zu Detailaufnahmen und Bildkompositionen erkennt. Diese sind zwar im Gegensatz zu seinen früheren Werken etwas rarer, weil „12 Years A Slave“ eher klassisches Erzählkino ist, aber dennoch auffällig vorhanden. Auch minutenlange Plansequenzen mit Perspektivenwechsel und ohne erkennbaren Schnitt tragen zum optischen Reiz des Films bei. So fängt die Kamera beispielsweise während einer grausamen Folterszene die unterschiedlichen Emotionen und Reaktionen der beteiligten Charaktere allein durch geschicktes Wenden und Drehen ein.

Chiwetel Ejiofor in der Hauptrolle besticht vor allem durch seine ausdrucksstarke Mimik und fängt so den Zuschauer emotional ein. In einer besonders starken Szene steht Northup vor den Gräbern seiner toten Leidensgenossen und stimmt mit den anderen Sklaven ein ergreifendes Lied an. Neben Ejiofor ist es vor allem Michael Fassbender, der in der Rolle des in sich zerrissenen Plantagenbesitzers brilliert. Edward Epps ist alkoholkrank, pervertiert Zitate aus der Bibel, empfindet beim Auspeitschen seines Eigentums abartige Genugtuung und ist gleichzeitig von einer seiner Sklavinnen sexuell besessen. Diese ohnehin unheimliche Filmfigur wird in seiner Unberechenbarkeit von Epps Ehefrau ergänzt, die in ihrer Eifersucht den Anstoß für die wohl brutalste Szene des Films gibt.

In weiteren Nebenrollen sind unter anderem Benedict Cumberbatch, Paul Dano und Paul Giamatti zu sehen, die allesamt gute Leistungen bringen. Allerdings bleiben diese Charaktere – wohl zu Gunsten von Northup und Epps – relativ farblos und hätten insgesamt ein wenig mehr Substanz vertragen. Stärker ausgearbeitete Randfiguren hätten meiner Ansicht nach auch das Agieren von Ejofor und Fassbender noch packender und intensiver gemacht. Ziemlich aufgesetzt wirkt der kanadische Sklavereigegner, der von Brad Pitt dargestellt wird und insgesamt einen zu flachen und idealtypischen Eindruck macht. Der Umstand, dass es ausgerechnet ein moralisch korrekter Weißer ist, der die Hauptfigur unterstützt, ergibt sich allerdings aus dem autobiographischem Aspekt der Geschichte. Negativ zu sehen sind außerdem ein paar kleinere Längen, die sich einschleichen und der leider nur punktuell eingesetzte Soundtrack von Hans Zimmer, der prinzipiell aber gelungen ist.

Fazit: „12 Years A Slave“ erreicht für mich leider nicht die selbe emotionale Wucht von „Schindlers Liste“, zu welchem ich einige Parallelen sehe, dennoch ist Steve McQueen ein höchst ergreifendes Werk und eine schnörkellose Darstellung der amerikanischen Sklaverei gelungen. 9 von 10 Popcornguys!

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