The Wolf Of Wall Street

Titel: The Wolf Of Wall Street (Originaltitel: The Wolf Of Wall Street)
Regie: Martin Scorsese
Musik: Verschiedene
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Jean Dujardin

Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio), Anfang 20 und voller Ehrgeiz, möchte in den 80er Jahren Börsenmarkler an der New Yorker Wall Street werden. Seine zunächst dem Klienten entgegen kommenden Ansichten wirft er schnell über Bord und er lernt, dass es ausschließlich um den eigenen Profit geht. Dank seines angeborenen Verkaufstalents feiert er mit seiner eigenen Firma schnell Erfolge und zieht die Kunden reihenweise über den Tisch. Belfort scheffelt Millionen und manövriert sich exzessiv mit Partys, Drogen und Prostituierten durch sein Leben. Allerdings gerät er schnell ins Visier der FBI und die Schlinge um seinen Hals zieht sich allmählich zu.

Golden Globes, Oscars, Pressestimmen, die sich überschlagen – und ich kann den Lobeshymnen einfach nicht zur Gänze folgen. Kaum ein Film in letzter Zeit hat es mir schwerer gemacht, mich zu einer Wertung durchzuringen. Vielleicht gerade deswegen, weil es in „The Wolf Of Wall Street“ zunächst mal sehr viele äußerst positive Aspekte gibt.

Regisseur Martin Scorsese legt mit seinen 71 Jahren ein geradezu waghalsiges Tempo an den Tag. Schnitt und Bildkomposition wirken durchweg frisch und es gelingt dem Film bei einer Lauflänge von etwa 3 Stunden den lockeren Unterhaltungscharakter aufrecht zu erhalten. Zwar schleichen sich hier und da ein paar Längen ein, doch gelangweilt fühlte ich mich nie. Insbesondere das erste Drittel des Films, welches sich mit dem Aufstieg Belforts beschäftigt, empfand ich als äußerst gelungen. Es reihen sich unzählige amüsante und skurrile Szenen aneinander, die kräftig mit Drogen, Sex und Fäkalsprache gewürzt werden. Die Musikauswahl gefällt, ebenso der Nebencast. Egal, ob es sich um einen schrägen Matthew McConaughey, einen schleimigen Jean Dujardin oder einen irrwitzigen Jonah Hill handelt: Jeder Schauspieler legt hier eine darstellerische Glanzleistung hin.

An diesem Punkt kommt man natürlich nicht umhin, über Leonardo DiCaprio sprechen. Spontan fällt mir kein anderer Schauspieler ein, der in den letzten Jahren bemühter und geschickter an seiner Karriere gefeilt hat. DiCaprio ist es mit Filmen wie „Departed – Unter Feinden“, „Shutter Island“, „Inception“ und „Django Unchained“ bravourös gelungen, sich von seinem langen „Titanic“-Schatten zu lösen, weswegen ich ihm die Oscar-Nominierung für „The Wolf Of Wall Street“ von Herzen gönne. Und er hält diesen Film auch wirklich zusammen. Egal, ob in frenetischen Börsen-Reden, frechen Dialogen oder Drogen-Exzessen, in denen er sabbernd und lallend auf dem Boden krabbelt – DiCaprio brilliert in diesem Film.

Wie kann es nun sein, dass mir der Film trotz dieser gelungenen Aspekte nicht wirklich gefallen will? Ich selbst kann nur schwer Antwort auf diese Frage geben, was mich im Moment ehrlich gesagt ziemlich frustriert. Aber die einzeln betrachtet tollen Momente ergeben für mich einfach kein überwältigendes Ganzes. Ich musste feststellen, dass mich der Film nach dem starken ersten Drittel ein wenig verloren hat, weil mir klar geworden ist, dass da nicht mehr viel mit den Figuren passieren wird. Die Party rauschte mit gelegentlich ernsthaften Unterbrechungen einfach weiter und ich hatte nicht den Eindruck, dass dabei irgendjemand auf der Leinwand eine reflektierte Entwicklung durchmacht. Klar, das könnte jetzt auch eine Eigenheit dieser Satire sein. „The Wolf Of Wall Street“ distanziert sich stark von jeglicher Wertung der Geschehnisse. Positiv formuliert ist es also jedem Zuschauer selbst überlassen, wie er über die überspitzt dargestellten Auswüchse urteilt. Negativ ausgedrückt hat der Film dann aber auch nicht den Anspruch, das Publikum mit neuen und interessanten Einsichten zu beglücken. Meiner Meinung nach verlässt man hier das Kino genauso, wie man es betreten hat. Ich für meinen Teil bin der Börse gegenüber äußerst desinteressiert bis skeptisch eingestellt und an dieser Haltung hat sich jetzt auch nichts geändert. Ich erhielt eventuell eine Bestätigung, dass sich gewisse Leute in diesem Endstadium des Kapitalismus dumm und dämlich verdienen, aber gewusst habe ich das ja vorher schon. Und da ein wirklich guter Film für meine Begriffe nachhallen und in mir arbeiten muss, ist das etwas, was „The Wolf Of Wall Street“ einfach abgeht. Das einzige, was bleibt, ist die Irritation darüber, dass ich in dem Film nicht das vermeintliche Meisterwerk erkenne.

Kurz möchte ich meine kritische Haltung noch erklären, indem ich den kürzlich erschienenen „Rush – Alles für den Sieg“ für einen Vergleich heran ziehe. Dieses Drama dreht sich auf den ersten Blick um die Formel 1, welche ich ähnlich uninteressant finde wie die Börse. Allerdings wurde hier ganz großer Wert auf Charakterentwicklung gelegt, was den Film für mich zu einem der besten des letzten Jahres machte. Genau dieser Aspekt fehlt „The Wolf Of Wall Street“ und ich befürchte, dass mir ein zunächst ätzend erscheinendes Thema nur dann schmackhaft gemacht werden kann, wenn ich einen Identifikationsanker zugeworfen bekomme.

Eine Wertung fällt mir wie gesagt schwer. Aber aufgrund der guten Einzelmomente und der grandiosen Darstellung DiCaprios verteile ich spontan 7 von 10 Popcornguys. Ich schließe allerdings nicht aus, dass eine zweite Sichtung mit dem nötigen zeitlichen Abstand die Dinge verändern könnte.

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