Lunchbox

Titel: Lunchbox (Originaltitel: Dabba)
Regie: Ritesh Batra
Musik: Max Richter
Darsteller: Irrfan Khan, Nimrat Kau, Nawazuddin Siddiqui

Es kriselt in der Beziehung der in Mumbai lebenden Hausfrau und Mutter Ila (Nimrat Kau). In der Hoffnung, ihre Ehe damit retten zu können, verausgabt sich die begnadete Köchin jeden Werktag und zaubert ein wunderbares Gericht für ihren Mann. Dieses wird in einer metallenen Lunchbox von einem Lieferservice zur Arbeitsstelle des Gatten gebracht – zumindest geht Ila davon aus. Tatsächlich kommt es zu einer Verwechslung und die Lunchbox landet im Büro des in die Jahre gekommenen Witwers Saajan Fernandes (Irrfan Khan). Dieser steht kurz vor seiner Frührente und verhält sich gegenüber seinen Mitmenschen wenig warmherzig. Doch als er von Ilas Speisen kostet, zeigt er sich begeistert und leert die Lunchbox zur Gänze. Die Köchin erhält den förmlich ausgeleckten Behälter zurück, aber sie kommt dahinter, dass es nicht ihr Mann war, der das Gericht erhalten hat. Ila legt der nächsten Lunchbox ein Schreiben bei, das von Saajan beantwortet wird – der Beginn einer tiefen Brieffreundschaft, die das Leben beider Charaktere verändert.

Noch lässt mich das Filmjahr 2013 nicht so ganz los. Denn immerhin werden in den nächsten Monaten einige Streifen, die an der breiten Masse vorbei gegangen sind, in ausgewählten Kinos auftauchen. Dazu zählt – zu meinem Glück – auch der indische Film „Lunchbox“.

Dieser kleinen Perle gelingt es, mit den einfachsten Mitteln absolut zu überzeugen. Die Geschichte erscheint simpel und lebt zu einem Großteil von den hervorragenden Hauptdarstellern. Irrfan Khan, welcher auch in „Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger“ einen Auftritt hatte, besticht nicht nur durch einen kongenialen Nachnamen, sondern vor allem durch sein Schauspiel. Es ist wohl wenig objektiv, das so zu sagen, aber er ist mir ein von Grund auf sympathischer Typ. Mit seiner dezenten Mimik und dem intensiven Blick ist Khan durchweg präsent. Und wie bereits in „Life of Pi“ hat er auch in „Lunchbox“ eine zentrale Monolog-Szene, in der er es wirklich fertig brachte, meine Augen feucht werden zu lassen. Ebenso grandios spielt die mir bislang unbekannte Nimrat Kau, die so unterschiedliche Facetten wie Beharrlichkeit, Stärke und Verletzbarkeit auf perfekte Weise in sich vereint. Nebenbei bemerkt sieht sie auch noch bildhübsch aus. Des Weiteren profitiert „Lunchbox“ von den wenigen, aber überaus faszinierenden Nebencharakteren. Hier ist vor allem Nawazuddin Siddiqui zu erwähnen, der den Arbeitsplatz von Irrfan Khans Charakter übernehmen soll. Der junge und in seinem Engagement aufdringliche Mann wirkt zunächst wie ein amüsanter Nervtöter, doch im Laufe des Films erspielt er sich ganz klar die Sympathie des Zuschauers und erhält den nötigen Tiefgang. Für weitere amüsante Szenen sorgt die Nachbarin von Ila, mit der sich jedoch nur schreiend durch das Küchenfenster unterhalten wird.

Neben den tollen Darstellern ist es auch der Verlauf der Handlung, der mich selbst am Tag danach noch beschäftigte. Durch den Austausch der Briefe kommen sich Ila und Saajan langsam aber sicher näher, wobei sie von anfänglichen Neckereien und Oberflächlichkeiten zu wirklich tiefschürfenden Themen übergehen. So gesteht sie ihm unter anderem, an Selbstmord zu denken, während er von seiner verstorbenen Frau erzählt. Und je intimer der Schriftwechsel wird, desto mehr wachsen einem die beiden ans Herz. Es war mir eine Freude zu sehen, wie die beiden Figuren immer stärkeres Interesse aneinander entwickeln, sich umeinander sorgen und aufgrund dieses Dialogs beginnen, ihre Leben zu verändern. Umso unbefriedigender wirkte dann das Ende auf mich – doch bei genauerer Betrachtung hätte ein klarer Schluss gar nicht so wirklich gepasst.

Dieser großartige Wohlfühl-Film aus Indien, der einem die Stärken der Einfachheit vor Augen führt, erhält von mir 8 von 10 Punkte.

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