Der Hobbit – Smaugs Einöde

Titel: Der Hobbit – Smaugs Einöde (Originaltitel: The Hobbit: The Desolation of Smaug)
Regie: Peter Jackson
Musik: Howard Shore
Darsteller: Martin Freeman, Ian McKellen, Richard Armitage

Bilbo Beutlin (Martin Freeman), der Zauberer Gandalf (Ian McKellen) und die Zwerge sind mit Hilfe der Adler den Orks unter der Führung des grausamen Azog entkommen. Nach einem kurzen Halt beim Hautwechsler Beorn geht die Reise zum Berg Erebor weiter. Denn dort bewacht der riesige Drache Smaug den legendären Zwergenschatz, zu welchem auch der Arkenstein zählt. Dieser Edelstein stellt für den Zwergenprinz Thorin (Richard Armitage) den Schlüssel zur Rückgewinnung seiner Königswürde dar. Doch zunächst muss sich die Gemeinschaft durch den Düsterwald kämpfen. Hier lauern nicht nur gefährliche Riesenspinnen, auch die unberechenbaren Waldelben stellen eine Gefahr dar. Zu allem Überfluss verlässt Zauberer Gandalf die Gruppe, um sich in der alten Festung Dol Guldur einer bösen Macht aus längst vergangenen Tagen zu stellen.

Normalerweise halten sich die Popcornguys beim Schreiben ihrer Kritiken zurück, wenn es um das Ausplaudern bestimmter Handlungsdetails geht. Bei dieser Filmanalyse wird jedoch eine Ausnahme gemacht, weswegen ab nun SPOILER-ALARM gilt.

Es gab im Jahr 2012 wohl keinen heißer erwarteten Film als „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“. Umso erschütternder war dann für viele der tatsächliche Kinogang. Statt der ersehnten Rückkehr nach Mittelerde gab es für viele Zuschauer unerwartete Langeweile, ermüdende Leerlaufszenen, überzogene Action und kindischen Slapstick. Die Erwartungshaltung für den zweiten Teil war bei vielen sehr gering und auch ich konnte an das neueste Hobbit-Abenteuer stark ernüchtert heran gehen. Die folgende Kritik widmet sich zuerst den Schwachpunkten des Films, bevor auf die Stärken von „Smaugs Einöde“ eingegangen wird.

Die überdrehten Action-Sequenzen werden kontinuierlich fortgeführt. Die Kämpfe sind bis ins letzte Detail durch choreographiert und absolut schnörkellos, was ihnen leider jegliche Brisanz raubt und in mir fast keine Anteilnahme auslöst. Stark mit der Action verbunden ist die Figur des Legolas (Orlando Bloom), der im Gegensatz zur Romanvorlage im Film seinen Auftritt bekommt und wieder einmal seine Martial-Arts-Fähigkeiten unter Beweis stellen kann. Besonders schlimm fand ich die Fluchtszene mit den Fässern, bei welcher der Elb doch tatsächlich auf den Köpfen von Zwergen stand, um von dort aus seine Pfeile zu verschießen. Vergleichbare Szenen gab es im „Herrn der Ringe“ zwar auch, doch hier fielen ähnliche Szenen bedeutend dezenter aus und wurden nicht derart auf die Spitze getrieben.

Immerhin ist Legolas als Sohn des Waldelbenkönigs Thranduil (Lee Pace) im Tolkien-Universum fest verankert, was sein Auftreten im Düsterwald halbwegs sinnvoll macht. Komplett frei erfunden ist dagegen die Elbenkriegerin Tauriel, welche von Evangeline Lilly gespielt wird. Die Schauspielerin ist zwar bildhübsch, sympathisch und talentiert, jedoch lässt sich nicht verneinen, dass ihr Charakter eine klare Anbiederung an die modernen Sehgewohnheiten des Kinozuschauers darstellt. In Zeiten der Emanzipation braucht es eine Frau – und am besten noch eine taffe, die sich gegen gesellschaftlich auferlegte Zwänge sträubt. Ebenso Mainstream ist die obligatorische Liebeskiste, für welche man mit Kili (Aidan Turner) geschickt den einzigen Zwerg heran zieht, der sich auch gut auf einem Bravo-Poster machen würde. Auch wenn einige Romantiker damit ihren Spaß haben werden, kam es mir aufgesetzt und unnötig vor.

Gelegentlich hatte der Film auch Probleme, seinen Fokus zu halten. So steht der titelgebende Hobbit über lange Phasen abseits der Handlung, während man sich als Zuschauer fast ein wenig in den Neben-Plots verliert. Dies lässt sich natürlich damit erklären, dass es sich bei Jacksons neuer Trilogie um ein Bastelwerk aus Romanvorlage, den Anhängen Tolkiens und frei erfundenen Elementen handelt. Manche Handlungen der Charaktere wirken planlos und wenig durchdacht, allerdings muss man fairerweise erwähnen, dass auch die literarische Vorlage ihre Eigenheiten mit sich bringt. So betrinken sich gemäß dem Roman einige Elben, wodurch es den Zwergen möglich wird, aus dem Waldreich zu fliehen. Eine derartige Szene wäre im „Herrn der Ringe“ undenkbar gewesen, wodurch in den Hobbit-Filmen die Spitzohren stellenweise etwas „out of character“ wirken. Auch ihr materialistisches Interesse am Schatz der Zwerge passt für mich nicht so ganz ins übliche Profil dieser eher jenseitig orientierten Rasse Mittelerdes.

Der Soundtrack zu „Smaugs Einöde“ bot nicht viele Neuheiten. Dabei hätte ich es einem Howard Shore allemal zugetraut, für Düsterwald, Seestadt oder auch Smaug einprägsame musikalische Themen zu schaffen. Stattdessen brannte sich mir keine bislang unbekannte Melodie ins Gedächtnis, auffallend waren nur jene Passagen, die man bereits aus dem „Herrn der Ringe“ kennt.

Der möglicherweise wichtigste Kritikpunkt bezieht sich auf die gesamte Optik des Films. Wie bereits in „Eine unerwartete Reise“ lässt sich ganz klar der verstärkte Gebrauch von Bluescreen und CGI erkennen. Während es im „Herrn der Ringe“ weitaus mehr Masken, Miniaturen und handfeste Effekte gab, verschwindet hier das mir ans Herz gewachsene Mittelerde hinter einem Schleier aus herzloser Künstlichkeit. Dabei ist es nicht einmal so, dass sämtliche Computertricks überzeugen. Einige Einstellungen der Fässerszene oder auch die animierten Goldmünzen am Ende des Films wirkten geradezu billig. Im Vergleich zum „Herrn der Ringe“, der inzwischen ja gute 10 Jahre auf dem Buckel hat, muss sich ein optischer Rückschritt vermerken lassen – 3D und HFR hin oder her.

Doch es gibt auch Positives zu vermelden. Allgemein hat „Smaugs Einöde“ ein besseres Tempo und einen angenehmeren Rhythmus als sein Vorgänger. Das grundsätzliche Problem der Ausweitung auf drei Teile bleibt natürlich trotzdem bestehen, aber die Anzahl der Leerlaufszenen hat sich zum Glück drastisch reduziert. Etwa bis zur Hälfte des Films war ich geradezu überrascht, wie schnell die Zeit vergeht. Eine weitere Verbesserung stellt der klarere Tonfall des zweiten Teils dar. Während die Divergenz aus Humor und Epik den Vorgänger noch zu zerreißen drohte, ist die Stimmung hier klar düsterer und ernster, was mir persönlich gut gefällt. In diesem Zusammenhang möchte ich auch erwähnen, dass der schrullige Radagast (Sylvester McCoy) nur ganz wenige Auftritte hat. Sein nervtötender Hasenschlitten ist sogar nur ein einziges Mal zu sehen.

Der Cast ist prinzipiell gut gewählt und sympathisch. Martin Freeman hat unterm Strich zwar nicht allzu viel zu tun, ist aber weiterhin ein schauspielerischer Glücksgriff. Ian McKellen zeigt sich gewohnt souverän und auch Richard Armitage als Thorin hat nun mehr Spielraum, um das Interesse des Zuschauers zu wecken. Orlando Bloom schlüpft in seine Paraderolle zurück und auch Evangeline Lilly macht eine gute Figur – ganz gleich, ob man ihren Charakter nun als sinnvoll erachtet oder nicht.

Das klare Highlight des Films stellt allerdings der Drache Smaug dar. Dieser wurde großartig konzipiert und brillant in Szene gesetzt. Den Machern ist es gelungen, eine monströse Kreatur zu erschaffen, die aber dennoch einen durchtriebenen Charakter vorzuweisen hat. Dies ist zu einem großen Teil aber auch der Verdienst von Benedict Cumberbatch, welcher Smaug seine Grabesstimme leiht. Der Dialog zwischen dem Drachen und Bilbo ist übrigens meine Lieblingsszene im Film, was besonders amüsant ist, wenn man an die Zusammenarbeit von Cumberbatch und Freeman in der grandiosen Serie „Sherlock“ denkt.

Fazit: „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ ist nette Fantasyunterhaltung, nicht mehr und nicht weniger. Trotz einiger schöner Momente wird es den Filmen für mich nicht gelingen, ein Mittelerde-Feeling auszulösen oder gar am „Herrn der Ringe“ anzuknüpfen. Leider ist Peter Jackson mit seinen neuesten Werken in eher durchschnittlichen Blockbuster-Gefilden angekommen, was nur dann zu keinen größeren Enttäuschungen führt, wenn man ihn mit diesjährigen Werken wie „Iron Man 3“ und „Thor 2 – The Dark Kingdom“ vergleicht. Eine wirklich abschließende Bewertung muss wohl bis zum dritten Teil 2014 warten, spontan würde ich jedoch 6 von 10 Popcornguys verteilen.

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