Shitty Shark Night

Haie: Eine Gruppe von Fischen, die in über 500 Arten die Meere bevölkert und sich im Prinzip seit Millionen von Jahren nicht verändert hat. Es gibt sie in allen Formen und Größen, vom kleinen Katzenhai bis hin zum gigantischen Walhai, der sich ausschließlich von Plankton ernährt. Kaum eine andere Tiergruppe hat sich angesichts der Evolutionsgeschichte als derart perfekt erwiesen – und kaum eine andere Tiergruppe hat ein derart schlechtes Image. Obwohl jährlich nur etwa fünf Personen durch Haiangriffe ums Leben kommen, gelten diese Fische als brutale Menschenfresser.

Tatsächlich gibt es nur sehr wenige historisch dokumentierte Fälle, in denen Haie in ihrem Fressverhalten ungewöhnlich stark auf Menschen fokussiert waren. Eine Ausnahme bilden die Haiangriffe an der Küste von New Jersey aus dem Jahre 1916. Hierbei wurden innerhalb von nur 12 Tagen auf geographisch engem Raum fünf Personen attackiert, wobei vier an den Folgen der Bisswunden starben. Die Angriffe von 1916 inspirierten Peter Benchley zu seinem Roman „Der weiße Hai“, welcher von Steven Spielberg 1977 verfilmt wurde. Spielberg erschuf damit nicht nur einen qualitativ hochwertigen Horrorklassiker, der bis heute die Populärkultur prägt. Er etablierte auch erstmals den Begriff des Sommerblockbusters. Dass „Der weiße Hai“ ein derart guter Film wurde, hängt teilweise mit dem Versagen der speziell angefertigten Haipuppe zusammen. Die Attrappe konnte anfangs ihren Dienst im Wasser nicht verrichten, weswegen der Regisseur umdenken musste. Als Folge sieht man in der ersten Hälfte des Films den Hai so gut wie gar nicht. Stattdessen wird stark auf den Einsatz von Musik und Kameraeinstellungen gebaut, was eine unheimliche Spannung aufkommen lässt. Die Fantasie des Zuschauers ist gefragt und der eigentlich Horror liegt darin, dass man das Bedrohliche und Grausame nicht sieht.

Es folgten einige Fortsetzungen zu „Der weiße Hai“, welche aber qualitativ weit unter dem Niveau des Erstlings anzusiedeln sind. Auch andere Filmemacher widmeten sich dem Thema, doch auch hier entstanden nur sehr wenige cineastische Perlen. Eine Ausnahme bildet eventuell das Drama „Open Water“, in welchem es in realistischer Art und Weise um das traurige Schicksal eines verschollenen Taucherpärchens geht. Doch die meisten der inzwischen verfügbaren Haifilme haben aufgrund mittelprächtiger Schauspieler, hanebüchener Drehbücher und grauenhafter CGI eine unfreiwillige Komik entwickelt – oder ist vielleicht gerade das die Intention gewisser Filmemacher?

Vor wenigen Tagen hat sich eine Gruppe illustrer Filmfreunde versammelt, um eine sogenannte „Shitty Shark Night“ zu veranstalten. Hierbei wurde sich erst gar nicht die Mühe gemacht, nach vermeintlichen Perlen Ausschau zu halten. Der Fokus lag darauf, sich eine Reihe von trashigen C-Movies reinzuziehen, bei denen man in trauter Einsamkeit wohl nach wenigen Minuten krampfhaft zur Fernbedienung greifen würde, um das Programm zu wechseln. Doch in der richtigen Gesellschaft entwickeln diese Filme eine eigenwillige Dynamik und wissen trotz allem gut zu unterhalten. In anderen Worten: Es gibt Filme, die sind dermaßen schlecht, dass sie schon wieder gut sind. Stellenweise sogar richtig gut.

Ich möchte die Filme unserer „Shitty Shark Night“ nun kurz vorstellen. Dabei verzichte ich auf die übliche Bewertung und schlage vor, die Inhaltsangaben einfach auf sich wirken zu lassen. Am besten in Kombination mit den Highlights der jeweiligen Filme, die ich entsprechend verlinken werde.

SWAMP SHARK

Dieses verkannte Familiendrama spielt im westlichen Teil des Mississippi-Deltas, demnach im größten Sumpf der USA. In einem kleinstädtischen Örtchen betreibt eine Gruppe sympathischer bis kerniger Personen ein Restaurant. Die Beziehungsverhältnisse zwischen diesen Menschen haben sich uns nicht ganz erschlossen, aber man muss ja nicht gleich vom Schlimmsten ausgehen. Die Idylle der Sumpf-Stadt wird von einem kriminellen Tierschmuggel erschüttert. Eine Art prähistorischer Hai treibt von nun an sein Unwesen im Fluss und frisst nicht nur Alligatoren, sondern auch betrunkene Pöbler, nichtsnutzige Jugendliche, voyeuristische Polizisten und arrogante Machos. Im Grunde leistet das Tier über einen Großteil des Films hinweg einen wertvollen Dienst an der Gesellschaft. Aber als das Leben der Tochter der weiblichen Hauptfigur in Gefahr ist, hört der Spaß auf und die sympathisch-kernige Restaurant-Clique macht sich daran, das schlecht animierte Vieh zu töten.

SHARKNADO

Dieser Film stammt aus dem Jahr 2013 und bildet den eigentlichen Höhepunkt der „Shitty Shark Night“. Der Drehbuchautor war vermutlich mehrere Male auf zu langen Tauchgängen, denn anders lässt sich folgender Plot nicht erklären: Ein Tornado jagt über das Meer, wobei er nicht nur massenhaft Wasser, sondern auch hunderte aggressiver Haie in sich aufnimmt. Das Naturphänomen nähert sich der amerikanischen Küste, wo wir zunächst wieder eine äußerst sympathische und kernige Gruppe Menschen kennen lernen: Einen Barbesitzer und Surfer, seinen ebenfalls surfenden Sidekick-Kumpel, eine Bardame mit Haibiss am Hintern und einen pensionierten Säufer, der im späteren Verlauf des Films tatsächlich Haie mit seinem Barhocker attackiert. Die schauspielerische Qualität dieser meisterhaften Mimen steht natürlich außer Frage. Jedenfalls erreicht der Tornado samt seiner tödlichen Fracht die Küste und steuert weiter auf Los Angeles zu. Die muntere Gruppe um unseren Barbesitzer entschließt sich, ins Landesinnere zu fahren, weil nämlich dort Exfrau und Kinder des Protagonisten zu retten sind. Nach einer Reihe äußerst unterhaltsamer Zwischenfälle und kleinerer Scharmützel wird der rettende Masterplan entwickelt: Unsere Helden wollen von Hubschraubern aus selbst gebastelte Bomben in die Tornados werfen, um sowohl die Naturgewalt, als auch die Haie zu stoppen. Ob dieser Plan Erfolg haben wird? Seht es euch selbst an! Eine Fortsetzung zu „Sharknado“ steht jedenfalls schon in den Startlöchern.

MEGA SHARK VERSUS CROCOSAURUS



Dieser Film ist eine Fortsetzung zu „Mega Shark versus Giant Octopus“ und da stellte sich mir folgende Frage: Werde ich der komplizierten Handlung ohne Kenntnis des Erstlings folgen können? Glücklicherweise fühlte ich mich dank des sympathischen Casts gut aufgehoben. Doch zunächst zur Handlung: Im afrikanischen Kongo taucht ein gigantisches Krokodil auf, welches vom amerikanischen Militär aufgehalten werden soll. Gleichzeitig gibt es immer noch den ebenso gigantischen Mega-Hai und beide Kreaturen haben massenhaft Eier gelegt, aus welchen in Kürze weitere unangenehme Tierchen schlüpfen werden. Das Militär engagiert zwei Experten, die sämtliche Klischees erfüllen und sich im Laufe des Films tatsächlich als Kroko-Mann und Hai-Mann bezeichnen. Es ist übrigens empfehlenswert, den Film in der Deutschen Synchronisation zu genießen. Denn hier wird jeder Satz, in dem das Wort „Eier“ vorkommt, zu einem unfreiwilligen Gag. Eine Auswahl an sinngemäßen Beispielen gefällig?

„Wo sind ihre Eier?“
„Aber wir haben keine Eier!“
„Ich weiß, wo noch ein paar Eier sein könnten.“
„Haben sie ihre Eier gefunden?“

Ich denke, man merkt, worauf ich hinaus will. Doch neben den cleveren Wortspielen und der ohnehin atemraubenden Schauspielleistung sind es vor allem die grandiosen Effekte, die „Mega Shark versus Crocosaurus“ zu einem unvergesslichen Filmerlebnis werden lassen.

Das war unser kleiner Ausflug in die Welt des Trash. Bestimmt gäbe es noch mehr Schätze dieser Art, doch womöglich war dies auch nicht die letzte „Shitty Shark Night“. Mein Dank gilt auch an den Organisator dieser Veranstaltung und seinem ausgezeichneten Gespür für Filme dieser Art. Es war ein toller Abend!

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2 Kommentare zu “Shitty Shark Night

  1. Solche Filmabende sind großartig! Machen wir auch immer mal wieder mit wechselnder Besetzung und mittlerweile acht regelmäßigen Teilnehmern. Tipps für den nächsten Abend gefällig? Ghost Shark, Sharktopus und Two-Headed-Shark Attack. Viel Spaß!

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