Sommerfilme 2013 – Ein kurzer Rundumschlag

Es ist kinotechnisch ruhig geworden um die Popcornguys. Allerdings war es nicht so, dass wir einfach keine Lust mehr auf Kino hatten. Tatsächlich haben wir sogar den ein oder anderen Film auf der großen Leinwand gesehen. Das Fehlen entsprechender Reviews lässt sich nun einerseits mit der unfassbaren Sommerhitze erklären, welche uns sämtliche Kreativität aus dem Hirn gebrannt hat. Andererseits gab es diesen Sommer – von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen – auch nicht wirklich viel, was man zwingend hätte sehen müssen. Dennoch holen die Popcornguys nun zu einem cineastischen Rundumschlag aus und erklären in aller Kürze und Würze, was denn so die letzten Wochen und Monate im Kino lief.

HANGOVER 3

Die deftige Komödien-Reihe mit dem obligatorisch verkatertem Wolfsrudel geht in die dritte Runde. Alan (Zack Galifianakis) hat seine diversen Medikamente abgesetzt und verhält sich deswegen noch absonderlicher als sonst. Die Ereignisse gipfeln im Tod seines Vaters, woraufhin es seinen Freunden (unter anderem Phil, gespielt von Bradley Cooper) gelingt, ihn zum Besuch eines Therapiezentrums zu überreden. Auf dem Weg dorthin geht natürlich wieder mal alles schief. Das Wolfsrudel wird von einem Gangster namens Marshall (John Goodman) überfallen, der eine Rechnung mit dem allseits bekannten Chow (Ken Jeong) offen hat. Der Kriminelle hat die überrumpelten Freunde im Griff und verlangt von ihnen, den Asiaten heran zu schaffen. Ab hier beginnt die irrwitzige und von vielen Hindernissen geprägten Suche nach Chow.

Die Macher von „Hangover 3“ haben sich die Kritik des Vorfilms zu Herzen genommen und gehörig am Aufbau der Fortsetzung gefeilt. So steht dieses Mal nicht die Rekonstruktion einer durchzechten Nacht im Mittelpunkt. Stattdessen setzt der Film ungewohnt ernsthafte Akzente. Dass die Rechnung dennoch nicht aufgeht, liegt eventuell an meinem persönlichen Geschmack. Komödien, die bewusst stumpf sind und deren Figuren möglichst cool wirken wollen, erzeugen bei mir selten einen Lacher. Von daher gab es von meiner Seite aus höchstens ein Schmunzeln, denn insbesondere die Gags rund um Ken Jeong blieben mir oftmals im Hals stecken. Nun, etwa zwei Monate nach der Sichtung, gelingt es mir auch nicht, eine einzige herausragende Szene aus dem Gedächtnis zu kramen. Möglicherweise ist dies eine Filmreihe, die man auf den ersten Teil hätte begrenzen müssen. Mehr als 5 von 10 Popcornguys kann ich für „Hangover 3“ nicht springen lassen.

THE PLACE BEYOND THE PINES

Der schweigsame Luke (Ryan Gosling) ist Motorrad-Stuntfahrer und trifft auf einem Jahrmarkt seine Exfreundin Romina (Eva Mendes). Diese ist mittlerweile mit einem anderen Mann verheiratet, hat von ihrer ehemaligen Liebe jedoch einen kleinen Sohn. Luke ist fest entschlossen, die Beziehung wieder aufzunehmen. Er schmeißt seinen Job bei der Schaustellertruppe hin, arbeitet von nun an als Automechaniker und versucht, sich so oft es geht mit Romina und dem gemeinsamen Kind zu treffen. Um seine kleine Familie auch finanziell versorgen zu können, beginnt er mit seinem Arbeitskollegen, eine Reihe von Banken auszurauben. Dabei gerät er in Konflikt mit dem ehrgeizigen Polizisten Avery (Bradley Cooper), der den Kriminellen stellen will.

„The Place Beyond The Pines“ zählt für mich zu den bisher besten Filmen des Jahres. Das Drama wird in drei Akten erzählt. Der erste dreht sich um die Figur Ryan Goslings, während im zweiten Bradley Cooper in den Mittelpunkt rückt. Im dritten kommen einige Jungdarsteller zum Zug, die in der Qualität zwar nicht an die älteren Kollegen heran reichen, aber dennoch den Film gekonnt und stimmig zum Abschluss bringen. Untermalt werden die gut eingefangenen Bilder von einem Soundtrack, der für ein Drama fast schon befremdlich epochale Töne anschlägt. Inhaltlich soll nicht zu viel verraten werden, allerdings geht es unter anderem darum, dass man von Fehlern der Vergangenheit eingeholt wird und zwangsläufig mit den Konsequenzen umgehen muss. Darstellerisch hat mich am meisten Bradley Cooper überzeugt, der in letzter Zeit in immer mehr unterschiedlichen Rollen überzeugt. „The Place Beyond The Pines“ erhält von mir 9 von 10 Popcornguys.

DIE JAGD

Lucas (Mads Mikkelsen) ist Erzieher in einem kleinen dänischen Dorf. Er hat eine Scheidung hinter sich und beginnt langsam wieder im Leben Fuß zu fassen. Erkennbar wird dies unter anderem daran, dass er sich um den Kontakt mit seinem Sohn bemüht und eine Beziehung mit einer Arbeitskollegin beginnt. Im Kindergarten hängt besonders die kleine Klara an ihm. Lucas ist mit deren Eltern befreundet, bei denen die Ehe nicht gut läuft. Eines Tages muss er während der Arbeit Klara zurückweisen, was das Mädchen schwer trifft. Sie führt ein Gespräch mit der Kindergartenleitung und erfindet die Geschichte, dass Lucas ihr sein Geschlechtsteil gezeigt hat. Die Lüge schlägt ihre Wellen und schließlich sieht der verzweifelte Erzieher, wie sein gerade wieder gefestigtes Leben zerbricht.

„Die Jagd“ ist ein unheimlich beklemmendes Drama aus Dänemark, welchem es gelingt, die Verzweiflung des Protagonisten und den gesellschaftlichen Druck perfekt einzufangen. Mads Mikkelsen spielt äußerst intensiv und fesselt von der ersten Minute an. Unglücklicherweise kommt der Film nicht ganz rechtzeitig zum Schlusspunkt, sondern hängt einige Minuten an, welche die vorher aufgebaute Spannung und Beklommenheit nicht aufrecht erhalten können. Doch die Abzüge deswegen halten sich in Grenzen und „Die Jagd“ bekommt 8 von 10 Popcornguys.

MAN OF STEEL

Kal-El (Henry Cavill) wird auf dem Planeten Krypton geboren, welcher kurz vor seiner Vernichtung steht. Bevor der Himmelskörper explodiert, gelingt es Kal-Els Vater (Russell Crowe), das Baby in einer Raumkapsel Richtung Erde zu schicken. Dort wächst Karl-El als Clark Kent bei einem Farmer-Ehepaar(Kevin Costner und Diane Lane) auf und entwickelt aufgrund der veränderten Atmosphäre seines neuen Heimatplaneten ungeahnte Kräfte. Diese machen ihn während seiner Jugend zu einem gesellschaftlichen Außenseiter und es fällt Clark schwer, seinen Platz auf der Welt zu finden. Doch mit dem Eintreffen des bösen General Zod (Michael Shannon) ändert sich alles. Der Außerirdische möchte die Erde in ein zweites Krypton verwandeln und die gesamte Menschheit vernichten. Als Superman nimmt Clark den Kampf auf und findet sich in seiner Rolle als Held und Beschützer ein.

Ich war nie ein Fan von Superman. Zu glatt, zu stark, zu unbesiegbar. Doch als die ersten Trailer zu „Man Of Steel“ kamen, wollte ich dem DC-Helden eine Chance geben. Ich las sogar einige Comics und fand für mich heraus, dass die Figur doch mehr Potential hat, als anfangs gedacht. Dementsprechend gespannt war ich am Ende auf dem Kinofilm. Und auch die Personen hinter dem Projekt – nämlich Zack Snyder und Christopher Nolan – stimmten mich optimistisch. Umso bitterer war dann die Enttäuschung. Der Film hatte so gute Voraussetzungen, doch die erhofften charakterlichen und dramatischen Schwerpunkte werden in den ersten beiden Dritteln nicht umgesetzt. Henry Cavill geht mit seinen zwei bis drei Gesichtszügen äußerst sparsam um, die Liebesbeziehung zu Lois Lane (Amy Adams) kommt überhaupt nicht in Fahrt und die bereits in den Trailern verheizten Ratschläge der Vaterfiguren bleiben mehr oder weniger lose im Raum stehen. Michael Shannon spielt den Bösewicht gut, doch auch er hat keine im Gedächtnis bleibenden Szenen. Im letzten Drittel ersäuft sich der Film dann selbst in brachialer Action, die in Kombination mit dem 3D-Effekt für negative Schwindelanfälle sorgt. Auf eine halbwegs positive Wertung komme ich im Grunde nur, weil hier der Versuch unternommen wurde, endlich mal wieder eine Comicverfilmung mit ernsthaftem Charakter auf die Beine zu stellen: 6 von 10 Popcornguys.

WORLD WAR Z

Der frühere UN-Mitarbeiter Gerry Lane (Brad Pitt) ist mit seiner Familie unterwegs, als auf der Welt plötzlich eine Zombie-Pandemie ausbricht. Es gelingt dem Familienvater, seine Liebsten auf einem Flugzeugträger des US-Militärs in Sicherheit zu bringen. Gerry muss nun seinen alten Job wieder aufnehmen und den Ursachen der Pandemie auf den Grund gehen, um die Sicherheit seiner Familie weiter garantieren zu können. Seine Reise führt ihn von Südkorea, über Israel bis hin nach Wales – und dabei kommt es immer wieder zu größeren Auseinandersetzungen mit den viel zu agilen Zombies.

Ich muss gestehen, dass ich keine Ahnung von Zombie-Filmen habe, weswegen ich „World War Z“ relativ neutral betrachten konnte. Zu einem Großteil handelt es sich um einen Actionfilm, der nicht mit großen Bildern geizt und die Produktionskosten gerne raushängen lässt. Ein paar der dabei entstehenden Sequenzen fand ich ganz nett, doch mehr überzeugt hat mich das letzte Drittel des Films, welches in einer Forschungsstation in Wales spielt. Die Geschichte wird intimer, der Personenkreis kleiner, die Situation spannender und auch etwas gruseliger. Interessant ist der Fakt, dass ursprünglich ein anderes, eher brachiales Action-Finale geplant war. Doch in den letztendlichen Schnitt des Films schaffte es dann dieses dezentere Ende, worüber ich persönlich sehr froh war. „World War Z“ hat mich mittelprächtig unterhalten, hebt sich aber gegen andere Sommerblockbuster positiv ab: 7 von 10 Popcornguys.

PACIFIC RIM

In „Pacific Rim“ wird die Welt von riesigen, außerirdischen Monstern angegriffen, die aus einer Art Portal im pazifischen Ozean kommen. Anfangs ist die Menschheit gegenüber den Monstern machtlos, bis schließlich die Jaeger, gigantische Kampfroboter, entwickelt werden. Diese müssen stets von zwei Piloten gesteuert werden, die dabei ihr Bewusstsein miteinander verschmelzen. Den Jaegern gelingt es, die Monster einige Jahre lang in den Griff zu bekommen, doch neue Arten und Taktiken der Außerirdischen sorgen für eine erhöhte Bedrohung. Ein Großteil der Weltregierung baut inzwischen lieber auf eine gigantische Schutzmauer, anstatt weiter in das Jaeger-Programm zu investieren. Doch Jaeger-Kommandant Pentecost (Idris Elba) sieht das anders und plant mit einigen eingeschworenen Piloten eine letzte große Offensive gegen die Monster.

Charaktere und Handlung von „Pacific Rim“ gehen spurlos an einem vorüber. Es ist ein Film, bei dem man tatsächlich am meisten Spaß hat, wenn man das Hirn abschaltet und die schönen und großen Bilder genießt. Und immerhin die gab es. Die Action war gut inszeniert und trotz 3D gab es keinerlei schwammige oder nicht verfolgbare Aktionen. Auch der Soundtrack war gut, aber sonderlich mehr darf man sich nicht erwarten. Das Gute ist, dass „Pacific Rim“ auch zu keinem Zeitpunkt falsche Signale setzt und nicht mehr sein möchte, als ein kurzweiliges, ziemlich stumpfes Action-Spektakel. Wem das also reicht, wird gut bedient. Da es für mich aber doch etwas mehr sein muss, bekommt der Film nur 5 von 10 Popcornguys.

Nun, ganz so schlimm wie angekündigt war der Kinosommer dann doch nicht – wenn man mal von den doch eher mittelprächtigen Blockbustern absieht. Überzeugend waren wie so oft Filme aus den künstlerischen und anspruchsvolleren Randbereichen. Von den Produktionen in Millionenhöhe war es bisher tatsächlich nur „Star Trek: Into Darkness“, der mir äußerst gut gefiel. Aber wer weiß: Eventuell gelingt es ja einer kleinen, aber äußerst abgedrehten Komödie, uns aus dem cineastischen Sommerloch zu befreien.

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