Spring Breakers

Titel: Spring Breakers (Originaltitel: Spring Breakers)
Regie: Harmony Korine
Musik: Cliff Martinez
Darsteller: Selena Gomez, Vanessa Hudgens, James Franco

„Spring Breakers“ erzählt die Geschichte der Freundinnen Faith, Candy, Brit und und Cotty, die zusammen aufs College gehen. Während des Spring Breaks – einer amerikanischen, etwa zweiwöchigen Pause des Studienbetriebs im Frühjahr – möchten die vier Studentinnen nach Florida, um sich dort exzessiven Feierlichkeiten hinzugeben. Allerdings reicht ihr Erspartes für das Unternehmen nicht aus. Kurzerhand überfallen sie in einem geklauten Auto ein Diner und brechen anschließend nach Florida auf. Aufgrund von Drogenkonsum werden sie von der Polizei verhaftet, doch der dubiose DJ und Verbrecher Alien (James Franco) zahlt für die vier Freundinnen die Kaution. Er nimmt sich der Mädchen an und verwickelt sie immer weiter in seine kriminelle Geschäfte. Während insbesondere Candy (Vanessa Hudgens) und Brit (Ashley Benson) im zwielichtigen Milieu aufgehen, wachsen bei Faith (Selena Gomez) die Zweifel. Sie ahnt, dass etwas sehr Schlimmes passieren wird.

Manche Filme lassen sich schlecht in Schubladen stecken. Das ist einerseits interessant, macht eine Bewertung aber umso schwieriger. Und auch bei „Spring Breakers“ bin ich mir unschlüssig, da der Film irgendwo zwischen Schrott und Kunst wandelt. Die folgende Kritik stellt also eine Herausforderung dar und wird sehr wahrscheinlich das Wirrwarr meiner momentanen Eindrücke widerspiegeln.

Beginnen wir mit dem Positiven. Bei einer oberflächlichen Betrachtung der Filmposter könnte man schnell zur Ansicht kommen, es handelt sich bei „Spring Breakers“ um eine reine Schau nackter Haut, Gewalt und Drogen. Gut, das alles bietet der Film in der Tat. Doch durch verschiedene Kniffe wird das Ganze in einem recht künstlerisch wirkenden Indie-Film-Gewand verpackt: Ruhige Kamerafahrten. Nahaufnahmen von Gesichtern oder auch von „Nebensächlichkeiten“ wie Fingernägeln oder Kniescheiben. Sonnenuntergänge. Landschaftsaufnahmen. Rück- und Vorblenden. Unaufdringliche, stellenweise hypnotische Verwendung von Musik. Durchbrochen werden diese dominierenden Kunstphasen von Szenen, die mich spontan an eine Albtraum-Version einer Langnese-Eis-Werbung erinnerten: Überfüllte Strände und Discos, Alkohol in Strömen und aus Eimern, Kokspulver auf versifften Tischen und haufenweise nackte Oberkörper. Ballermann lässt grüßen. Doch von einer Verherrlichung dieser Welt ist meiner Meinung nach dennoch nichts zu spüren. „Spring Breakers“ zeigt hier Abgründe auf, die – zumindest bei mir – Distanz und Fremdscham auslösen. Ein stumpfer Party-Film sieht anders aus. Im Gegenteil, „Spring Breakers“ baut langsam aber sicher eine immer größere Bedrohung auf und man wird gemeinsam mit den Hauptdarstellerinnen in diesen Strudel aus Exzessen, Gewalt und Wahnsinn gerissen.

Insofern übt „Spring Breakers“ in gewisser Weise Kritik an der modernen und hedonistischen Party-Gesellschaft. Allerdings zeigt sich diese Kritik recht subtil, ohne moralisierenden Zeigefinger und fast ausschließlich über das Visuelle. Die Dialoge, die der Film bietet, haben wenig Tiefgang oder Aussagekraft und brennen sich bestenfalls durch das fast schon meditative Wiederholen bestimmter Wortfetzen ins Gedächtnis. Dementsprechend haben auch die vier (ehemaligen) Teenie-Stars keine sonderlich große schauspielerische Herausforderung – wenn man mal von dem Mut, überhaupt bei diesem Projekt mitzuwirken, absieht. Als Zuschauer lebt man zwar das Drama der Hauptfiguren und insbesondere die Gewissensbisse von Faith (Selena Gomez) mit, doch es fällt dennoch schwer, sich zu identifizieren oder große Sympathie zu empfinden. Vielleicht noch am ehesten mit Frau Gomez, mit der ich phasenweise echtes Mitleid hatte. Daneben waren die Rollen von Hudgens und Benson von Anfang an sehr anzüglich und unreflektiert angelegt, weswegen die endgültige Charakterentwicklung keine sonerlich große Überraschung war. Das Potential der Figuren wäre aber da gewesen und wurde daher verschenkt – aber möglicherweise stört das jetzt nur mich als Dramafan. Sehr wahrscheinlich konzentrierte sich der Regisseur auf die Aussagekraft seiner Bilder, was auch ohne große Schauspielkunst nahezu perfekt funktionierte.

Jedoch, eine darstellerische Glanzleistung darf nicht unerwähnt bleiben. James Franco brilliert in der Rolle des Alien – ein Typ mit Goldzähnen, Dreadlocks und Hawaiihemd, der sein Geld mit Musik, Drogen und Waffen verdient. Auch diese Figur führt keine besonders wichtigen Dialoge, sie funktioniert größtenteils auf der visuellen Ebene. Doch Franco geht in dieser Rolle auf und zeigt beeindruckend, dass er zu den wandelbarsten Jungdarstellern unserer Zeit gehört. Außerdem macht ihm die Interaktion mit den jungen und meist knapp bekleideten Kolleginnen sichtlich Spaß – auch das soll ihm vergönnt sein.

Jetzt habe ich viel geschrieben, bin mir aber wie erwartet nicht sicher, ob ich auch wirklich ausreichend viel zu „Spring Breakers“ geschrieben habe. Die Verteilung von Punkten ist nun ebenso schwer wie das Verfassen der Kritik. Aber ich möchte diesem eindringlichen und lange nachhallenden Streifen den Status eines wirklich interessanten Kunstfilmes einräumen und verteile daher 8 von 10 Popcornguys. Und ich stelle mit einer gewissen Überraschung fest, dass er damit zu den bisher besten Kinoerlebnissen des Jahres 2013 zählt.

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