The Amazing Spider-Man

Titel: The Amazing Spider-Man
Regisseur: Marc Webb
Musik: James Horner
Darsteller: Andrew Garfield, Emma Stone, Rhys Ifans

Hier der Trailer.

Peter Parker ist ein junger Mann mit einer Vielzahl an Problemen. Der Wissenschafts-Nerd, der nach dem Tod seiner Eltern bei Onkel und Tante aufwächst, wird an seiner High School von bulligen Mitschülern gemobbt und muss sich durch das Gefühlschaos seiner ersten großen Liebe kämpfen. Doch Parkers Leben ändert sich schlagartig bei einem Besuch der naturwissenschaftlichen Abteilung der Firma Oscorp Industries: Er wird von einer genmanipulierten Spinne gebissen und entwickelt daraufhin unglaubliche Fähigkeiten. Diese setzt er zunächst sehr eigennützig ein, um den Tod seines Onkels Ben – den Parker selbst verschuldet hat – zu rächen. Doch der junge Mann muss lernen, dass mit großer Kraft große Verantwortung folgt und versucht, als Spider-Man mit seinen Kräften den Bewohnern von New York zu helfen. Gleichzeitig kommt Parker der Vergangenheit seiner Eltern auf die Spur und nimmt Kontakt mit Doktor Curt Connors auf, einem Arbeitskollegen seines Vaters. Dieser führt Experimente mit Reptilien-DNA an sich durch, um seinen verlorenen Arm wieder zu erlangen. Der Versuch glückt, allerdings verwandelt sich Connors in eine schier unaufhaltbare Echse, die der restlichen Bevölkerung New Yorks eine ähnliche Transformation aufzwingen will. Spider-Man muss nun den Kampf gegen diese Bedrohung aufnehmen.

Die Entstehung Spider-Mans liest sich in ihren groben Zügen wie ein alter Hut. Und tatsächlich hat diese Origin mittlerweile derart klassische Züge angenommen, dass für viele ein Reboot des Netzschwingers unnötig, beziehungsweise übereilt erschien. Auch ich war während der Anfangsphase der Produktion skeptisch und hätte es besser gefunden, das Projekt noch ein paar Jahre ruhen zu lassen. Andererseits bot sich durch den katastrophalen Trilogie-Killer „Spider-Man 3“ ein radikaler Schnitt zu den Filmen von Sam Raimi an – und ich wurde optimistisch. Meine positive Einstellung wuchs, als nach und nach gewisse Namen mit dem Projekt in Verbindung gebracht wurden. Marc Webb – dessen erster Kinofilm „(500) Days Of Summer“ grandios war – sollte als Regisseur die Fäden in der Hand halten. Die bezaubernd-sympathische Emma Stone würde Parkers Freundin Gwen Stacy darstellen, während Rhys Ifans (den meisten wohl als zotteliger Mitbewohner von Hugh Grant aus „Notting Hill“ bekannt) den Part der Echse übernehmen würde. Andrew Garfield war mit vorher nur vage ein Begriff, aber ich hatte bei ihm ein ziemlich gutes Gefühl – und ich sollte nicht enttäuscht werden.

Einer der größten Pluspunkte von „The Amazing Spider-Man“ ist definitiv der Cast. Nahezu jede Rolle ist super besetzt und löst beim Zuschauer viel Sympathie aus. Andrew Garfield gelingt es, die vielen Facetten des Peter Parker (Nerd, verliebter Chaot, Superheld) perfekt in Szene zu setzen. Dabei ist er jedoch keineswegs so weinerlich, wie es stellenweise Tobey Maguire in den vorherigen Filmen war. Bereits vor dem Spinnenbiss zeigt sich Parker frech, gewitzt und clever, was der Comicvorlage weitaus entsprechender ist. Darüber hinaus herrscht zwischen Andrew Garfield und Emma Stone eine überaus stimmige Chemie, die in den Dialogen deutlich spürbar ist. Auch der Rest des Casts macht seinen Job ziemlich gut. Besonders hervorzuheben ist möglicherweise Denis Leary, der Polizeichef George Stacy spielt und vom Wandkrabbler anfangs überhaupt nicht begeistert ist. Weitere Pluspunkte von „The Amazing Spider-Man“ sind der gut dosierte Humor, die ansehnliche Spezialeffekte und Actionelemente, sowie der wirklich geglückte Versuch, sich so weit es geht von Sam Raimis Vision zu distanzieren. Eine besondere Rolle spielt dabei die spezielle Gewichtung von Parkers Eltern. Hierbei werden längst nicht alle Fragen geklärt, im Gegenteil: Der Film fährt mit einigen mysteriösen Szenen und Dialogen auf, die den Weg für mögliche Fortsetzungen ebnen. An dieser Stelle empfehle ich, nach dem Abspann noch kurz sitzen zu bleiben.

Leider hat „The Amazing Spider-Man“ auch einige Schwachstellen. Obwohl man sich wichtige Elemente wie die Osborns, den Daily Bugle und Mary-Jane wohl für Fortsetzungen aufsparen wollte und somit theoretisch viel Luft hat, gelingt es dem Film nicht, sämtliche Handlungsstränge rund darzustellen. Ein Beispiel: Es ist allgemein bekannt, dass ein Kleinkrimineller Onkel Ben ermordet, woran Parker selbst maßgeblich Schuld trägt. In einem Anflug von Rache möchte der Protagonist den Verbrecher stellen. So wird es auch in „The Amazing Spider-Man“ gezeigt und es ist interessant zu beobachten, wie Parker allmählich von der egoistischen Anschauung abweicht und seine Dienste einer verantwortungsvolleren Perspektive unterwirft. Allerdings scheint Parker im Film von einer Szene auf die nächste den Mörder seines Onkels vollkommen zu vergessen und das vorher so gekonnt aufgebaute Rache-Motiv verpufft. Natürlich ist es legitim, die Dinge anders anzugehen als beim ersten Kinofilm, doch diese Sache hat Sam Raimi weitaus überzeugender gelöst.

Allgemein werden die einzelnen Story-Plots von „The Amazing Spider-Man“ in einem solch schnellen Wechsel aufgefahren, dass sie sich gegenseitig die Wirkung nehmen und kaum ausgekostet werden. So gestaltet sich auch der gesamte Entstehungsprozess Spider-Mans viel zu holprig und sprunghaft. Zwar ist die Idee mit der Vergangenheit von Parkers Eltern gut und interessant, doch da nebenher noch zu viele andere Stränge laufen, findet meiner Meinung nach nicht immer eine hundertprozentig nachvollziehbare Charakterentwicklung statt. Auch die Dramatik des Gegenspielers hätte besser aufgegriffen werden können. Ich erinnere mich daran, dass die Echse in den Comics Frau und Kind hatte und für die eigene Familie zu einer echten Gefahr wurde. Möglicherweise hätte man diese Elemente aufgreifen können, um dem Bösewicht etwas mehr Tiefe zu verleihen. Des Weiteren leidet „The Amazing Spider-Man“ unter einigen Logikfehlern. Beispielsweise fällt es den Mitschülern trotz offensichtlichster Begebenheiten nicht auf, dass Parker Spider-Man sein könnte – und auf der anderen Seite geht der Protagonist derart schlampig mit seiner Geheimidentität um, dass am Ende des Films nahezu jeder andere Hauptdarsteller sein Geheimnis kennt.

Um zum Ende zu kommen: „The Amazing Spider-Man“ ist ein äußerst unterhaltsamer Film mit gut dosierter Action und Humor, der hauptsächlich von seinem überaus sympathischem Cast profitiert. Leider ergeben sämtliche Handlungsfäden keinen vollständig überzeugenden Gesamteindruck, weswegen der Streifen nicht den Schritt zu einem außergewöhnlichem Werk schafft. Dennoch werde ich die möglichen Fortsetzungen mit Spannung erwarten.

Ich vergebe 8 von 10 Popcornguys!

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