The Dreamcatcher – Vom Brainstorming bis zur Kinopremiere

Nachdem mein verehrter Popcornguy-Kollege so freundliche Worte für das Filmprojekt „The Dreamcatcher“ gefunden und darin ja mehr oder weniger auf einen Erfahrungsbericht von meiner Seite aus angespielt hat, möchte ich dem nun nachkommen.

Es war im Sommer 2010, als ich an besagtem Filmprojekt teilnahm. Initiiert wurde es von Benedikt Klaus, mit dem mich seit der gemeinsamen Schulzeit eine Freundschaft verbindet. Da ich ihn schon länger kannte, wusste ich natürlich bereits über seine Filmleidenschaft Bescheid. Im Zuge seines Studiums reicherte er sein Know-How weiter an und es war sein Plan, die gewonnenen Kenntnisse in Form eines Spielfilms umzusetzen.

Einen kleinen Einblick in Benedikt Klaus‘ Pläne erhielt ich bereits einige Monate vor Drehstart. Zu diesem Zeitpunkt wurde noch mit vielen Ideen jongliert. Fest stand jedoch, dass es um Fantasy-Elemente und verschiedene Realitätsebenen gehen sollte. Schon früh war die Rede von einer magischen Tür, die es einem ermöglichen sollte, zwischen verschiedenen Welten oder Zeiten zu wandeln. Thematisch und atmosphärisch gab es zumindest anfangs die Option, einen eher ernsteren, geradezu philosophisch-religiösen Ton anzuschlagen. Ich erinnere mich daran, dass es um eine Hauptfigur gehen sollte, die von einer Art Mephistopheles durch eine Reihe verschiedener Alternativ-Welten geführt wird. In diesen Welten wäre es die Aufgabe des Protagonisten gewesen, unterschiedlichsten Versuchungen – Geld, Macht, Frauen – zu widerstehen und so seine Seele zu behalten. Die Thematik wurde jedoch abgeändert und es fiel der Entschluss, einen eher amüsanten und unterhaltsamen Abenteuerfilm zu machen – schließlich wollten wir beim eigentlichen Dreh ja auch unseren Spaß haben.

Beim Schreiben des Drehbuchs war ich nicht weiter involiert, weswegen ich den vollendeten Plan des Filmemachers etwa eine Woche vor Drehstart in den Händen hielt. Mir war jedoch schon von vornherein klar, dass ich als Schauspieler den Part des skurrilen Fantasy-Wesens übernehmen sollte. Nun nahm der Charakter Gestalt an und bekam auch einen Namen: Dreamcatcher. Benedikt Klaus bat mich um einige Kostüm-Bilder und ich begann mir wegen des Looks Gedanken zu machen. So griff ich zu Strohhut, Wanderstock und schwarzen Bändern, die ich mir um die Unterarme band. Doch als das Wichtigste erschien mir eine kleine Veränderung meines Gesichts. So trug ich schwarze Faschingsschminke im Pandabärenstil rund um meine Augen auf und konnte dem Regisseur ein paar Bilder von mir schicken.

Schnell kam der erste Drehtag heran. Ein solcher gestaltete sich für mich folgendermaßen: Um 7:00 Uhr stand ich durchschnittlich auf, frühstückte und kostümierte mich für meine Rolle. Durch das Schminken der Augen habe ich dafür gute zwanzig Minuten eingeplant. Etwa um 8:00 Uhr fand sich das Team beim Regisseur ein. Meistens wurde dort bei einem Kaffee der Tagesablauf besprochen, bevor es dann so richtig los ging. An den Drehorten lernte ich auch zwei meiner Schauspielkollegen erstmals kennen. Özay Tekin verkörperte die Hauptfigur, den Schriftsteller Michael, während Benedikt Neumann den Part des eigenwilligen Chefredakteurs übernahm. Beate Meier (die die weibliche Hauptrolle der Reporterin Liz spielte) und Johannes Klaus (der gleich zwei kleine Nebenrollen übernahm) waren mir bereits von früheren Zeiten her bekannt. Schnell stimmte sich das Team aufeinander ab und es wurde recht schnell deutlich, dass wir alle mit viel Spaß und Engagement dabei sein würden. Das eigentliche Drehen ging meistens von 9:00 bis 21:00 Uhr, wobei wir am Ende des Tages stets das Rohmaterial sichteten, was dazu führte, dass ich oft erst um 23:00 Uhr daheim war. Da hieß es dann vor allem Abschminken, wobei die Beauty-Tipps von meiner Schwester wirklich hilfreich waren. Ein einziger Drehtag war also mit viel Zeit und Arbeit verbunden.

Im Vorfeld überlegte ich mir, an welche großen Filmfiguren der Dreamcatcher erinnern könnte. Natürlich sollte man als Schauspieler das Ziel haben, etwas Originelles zu schaffen, doch ganz ohne Inspiration geht es ja nie. Mir schwebten von Anfang an Heath Ledgers Joker und Johnny Depps Jack Sparrow bei der Auslegung meiner Figur vor – und natürlich Mephistopheles aus Goethes „Faust“. Trotzdem hoffe ich, dass es mir gelungen ist, eine persönliche Note in den Charakter miteinzubringen. Die Verkleidung ermöglichte es mir, relativ leicht „aus mir heraus zu treten“ und im wahrsten Sinne des Wortes eine Maske zu tragen. Allerdings denke ich, dass es beim Schauspielerin nicht nur darum geht, einen „anderen Menschen“ zu schaffen. Ich denke, es ist mindestens genauso wichtig, mehr oder weniger verstecke Charaktereigenschaften ans Tageslicht zu befördern und diese im Schauspiel zu bündeln und zu überziehen. Und in diesem Punkt war die Rolle des Dreamcatchers natürlich ein sehr dankbarer Part.

Es machte mir großen Spaß, vor der Kamera zu agieren – insbesondere im Dialog mit meinem Schauspielkollegen Özay Tekin. Diese Szenen waren mir viel lieber als die Monolog-Stellen, in denen es kein Gegenüber gab. In den Momenten, in denen unsere beiden gegensätzlichen Figuren aufeinander trafen, konnten wir eine stellenweise höchst humoristische Dynamik antwickeln. Die Kunst beim Film scheint es mir aber zu sein, mit einem Schlag und Szene für Szene in der richtigen Emotion zu sein. Beim Theater – wo es ja keinen Cut gibt – kann man sich als Schauspieler möglicherweise allmählich mit der Rolle entwickeln und sich Stück für Stück in die Gefühle hinein spielen. Da ist der Filmdreh etwas anders. Man hat zwar den „Luxus“, mehrere Versuche starten zu können, aber für diese kurzen Momente sollte man hundertprozentig und ohne großen Vorlauf total präsent sein.

Wir drehten fast eine Woche lang. Und obwohl es wie gesagt viel zu tun gab, würde ich diese Tage mit zu den besten meines Lebens zählen. Nach dem letzten Drehtag war das Team noch zusammen Essen – bei dieser Gelegenheit sahen mich einige der Kollegen erstmals ohne Schminke. An diesem Abend waren wir einerseits froh, das Projekt gestemmt zu haben, doch andererseits auch traurig, dass es nun vorbei war. Nun, vorbei war es für die meisten von uns, jedoch nicht für Benedikt Klaus. Für ihn begann die arbeitsreiche Phase der Postproduktion, die fast zwei Jahre andauerte. Ich bekam hiervon nicht besonders viel mit, aber ich denke, dass sich der geneigte Blog-Leser ausmalen kann, wie aufwendig Schnitt, Tonabschmischung, Effekte und Musik sein können.

Doch auch diese Phase ging zu Ende und schließlich konnten wir nun, am 12. Mai 2012, im Dinkelsbühler Kino Premiere feiern. Es war ein faszinierendes Erlebnis. Rund 100 Personen waren anwesend und wollten einen Film sehen, in dem man selbst mitwirkte. Ein wenig surreal war es schon – und als man erstmals sein eigenes Gesicht auf der großen Kinoleinwand sah, hinterließ das schon ein komisches Gefühl im Bauch. Viele Fragen gingen einem durch den Kopf: Wie würde der Film dem Publikum gefallen? Würden die Leute an entsprechenden Stellen lachen? Und wie würde man selbst das Endprodukt finden? Doch als die ersten Reaktionen der Zuschauer hörbar wurden und man sich selbst an das Ganze gewöhnt hatte, waren es einfach nur wunderbare 50 Minuten, die mit einem dankbaren und wohltuenden Applaus endeten.

Das Team rund um Benedikt Klaus plant für diesen Sommer ein weiteres, ehrgeizigeres Filmprojekt – und ich denke, dass die Filmpremiere von „The Dreamcatcher“ allen Beteiligten einen großen Motivationsschub gegeben haben dürfte. In diesem Sinne freue ich mich darauf, irgendwann mal wieder auf einer Kinoleinwand auftauchen zu dürfen.

Advertisements

Ein Kommentar zu “The Dreamcatcher – Vom Brainstorming bis zur Kinopremiere

  1. Schöner und ausführlicher Beitrag über deine Schauspieler-Arbeit bei dem Projekt Dreamcatcher. Für mich die spannendste und best-intepretierteste Rolle im Film. Daher unbedingt weiter so! gerne mehr! 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s