Serienspecial: The Wire (Staffel 1)

Titel: The Wire
Produktion: David Simon, Robert F. Colesberry
Musik: Tom Waits
Schauspieler: Dominic West, Larry Gilliard Jr., Sonja Sohn

Hier der Trailer

Auf den von Drogen verseuchten Straßen von West-Baltimore braucht man manchmal mehr als nur eine Dienstmarke um zu unterscheiden, wer auf welcher Seite des Gesetzes steht. Eine große Ermittlung in einem Drogen- und Mordfall entwickelt sich bald zu einer komplexen Überwachungsaktion mit Abhörgeräten. Die Polizisten tauchen ein in die Welt der Kriminellen – eine Welt, in der Gut und Böse in einer Grauzone untrennbar verschwimmen. Schuld und Sühne sind keine Begriffe mehr, die dieser Situationen gerecht werden.

Das der Name HBO für US-amerikanische Serien hoher Qualität steht, ist inzwischen auch diesseits des großen Teichs angekommen. Gerade läuft im deutschen Free-TV die überall bejubelte Serie „Game of Thrones“. Das Erfolgsrezept von HBO liegt meines Erachtens in der Tatsache, dass sie sich nicht davor scheuen, für ein gutes Konzept richtig Geld in die Hand zu nehmen, und eine teure Serie zu produzieren. Das kann natürlich auch mal schief gehen, wie „Rom“ gezeigt hat, wobei das Einstellen der Serie inzwischen bereut wird. Wie dem auch sei – mit „The Wire“ wurde von HBO eine qualitativ hochwertige wie in sich geistreich und spannend erzählte Serie geschaffen. Dass die Story und die damit zusammenhängende Charakterentwicklung recht komplex ist, ist zu erwarten, weswegen das Verpassen einer Folge ähnlich fatale Folgen haben kann wie bei „Lost“.

Kommen wir zum Inhalt: Jim McNaulty, seines Zeichens Detective bei der Mordkommission von Baltimore, mag nicht mehr. Obwohl es seinen Arbeitsbereich nur nebensächlich tangiert, stinkt ihm der blühende Drogenhandel in West-Baltimore gewaltig. Besonders die Unfähigkeit der Polizei, gegen das kleine Drogenimperium des Kriminellen Avon Barksdale vorzugehen, stört ihn. So informiert er einen Richter über die Umstände in den sog. Sozialbauten. Damit tritt er eine Lawine los. Nicht nur sein direkter Vorgesetzter, sondern auch deren Vorgesetzte sind über McNaultys Eingreifen verärgert: Sie sind nun gezwungen, im Fall „Barksdale“ zu ermitteln. Dazu muss die Polizei aus ihren Alltagstrott erwachen und eine eigene Sondereinheit gründen, die nicht nur äußerst schlecht mit Geldmitteln ausgestattet wird, sondern auch mit allen unbeliebten Kollegen besetzt wird, die die Polizei zu bieten hat. Dass diese Truppe wenig Motivation hat, diesen Fall zu bearbeiten, liegt auf der Hand. McNaulty ist jedoch voller Eifer, diese Sache anzupacken. Je weiter die Sondereinheit in die Welt des Drogenhandels und den damit einhergehenden Mordfällen eintaucht, umso interessierter wird sie, und so beginnt ein verzweifelter Kampf, den Verbrecherring zu sprengen.
Damit habe ich aber nur eine Hälfte der Serie beschrieben. Auf der anderen Seite steht besonders D’Angelo Barksdale, der Neffe des „Drogenkönigs“. Frisch von der Anklagebank freigesprochen, muss er nun den Drogenhandel im sog. „Pit“, einer heruntergekommenen Reihenhausanlage übernehmen. Auch hier brummt der Handel mit Heroin, denn die Nachfrage besteht immer. Auffällig ist, dass „D“ immer wieder Anzeichen von Milde zeigt. Besonders gegenüber den brutalen Methoden seines Onkels und dessen rechter Hand „Stringer“ zeigt er oftmals Unverständnis. Das macht deutlich, welchen Blick die Serie auf die Drogenhändler eröffnet: Auch die Kriminellen sind Menschen.

„The Wire“ verzichtet ganz und gar auf Schwarz-Weiß-Malerei. Die Verbrecher sind nicht gleich die Bösen, und die Polizisten sind alles andere als gerecht. Auf beiden Seiten sind starke Gefühle und emotionale Handlungen zu beobachten, auf beiden Seiten geschieht Gutes und Schlechtes.
Das macht für mich die Serie so interessant. Ich bin wirklich nie ein Fan von Krimiserien gewesen, doch „The Wire“ schafft etwas, was die kriminaltechnischen Aspekte in den Hintergrund drängt: Emotionale Nähe zu den Charakteren. Wenn jemand in Gefahr gerät, ist man schockiert, die Figuren werden persönlich. Die große Stärke von „The Wire“ ist Realismus. Nichts wirkt total gekünstelt oder aufgesetzt, diese Geschichten sind echt. Kritiker bemängelten, dass die Polizei zu primitiv dargestellt werde. Besonders der Gebrauch von Flüchen sei unrealistisch. Die Autoren bauten daraufhin diese Szene ein, um ihre Meinung zu festigen. Für sie ist grundsätzlich klar: Polizisten sind nicht unbedingt bessere Menschen. Manchmal unterscheiden sie sich von den Kriminellen nur insofern, dass letztere in jeden zweiten Satz ein „yo“ einbauen.

Zugegeben: Viel Spannung und viel Action darf man nicht erwarten. Der Schwerpunkt liegt auf Dialogen. Dennoch hat mich die Serie Folge um Folge mehr gefesselt, bis hin zum Höhepunkt. Den gibt es nämlich auch in der ersten Staffel. Die einzelnen Staffeln sind in sich geschlossene Geschichten, und so gibt es auch ein richtiges Staffelende. Das vermeidet nicht nur einen unangenehmen Cliffhanger, sondern zieht auch die Story nicht unendlich in die Länge. Somit kann man sich die aus 13 Episoden bestehende erste Staffel ruhig gönnen, ohne gleich ein Fan der kompletten Serie werden zu müssen (was mir aber schwer fallen würde 🙂 ). Die 1. Staffel ist übrigens für günstige 15 Euro zu ergattern, und bei einer Laufzeit von 13 Stunden hat man damit einen mehr als guten Deal abgeschlossen.

„The Wire“ wird oft die beste Serie aller Zeiten genannt. Ich kann das nicht bestätigen, weil ich in Sachen Serien nicht so bewandert bin. Dennoch bin ich hiervon hellauf begeistert, und die zweite Staffel steht bei mir schon in den Startlöchern. Für Freunde von starken, komplexen Stories und interesanter Polizeiarbeit spreche ich eine höchste Empfehlung aus!

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