The Artist

Titel: The Artist (Originaltitel: The Artist)
Regisseur: Michael Hazanavicius
Musik: Ludovic Bource
Darsteller: Jean Dujardin, Bérénice Bejo, James Cromwell

Hier der Trailer.

Hollywood im Jahr 1927: Der Stummfilmschauspieler George Valentin (Jean Dujardin) ist der unbestrittene Star der Filmszene. Die Zuschauer liegen dem Charmeur zu Füßen, ebenso die Damenwelt. Durch eine zufällig erscheinende Begegnung fördert Valentin die Filmkarriere seines weiblichen Fans Peppy Miller, für die er schnell tiefere Gefühle entwickelt.Doch mit dem Übergang vom Stumm- zum Tonfilm beginnt   das Ende des Erfolgs von George Valentin.

Ein schwarz-weißer Stummfilm im Jahre 2012? Das werden sich wohl viele Fragen, die erstmals von „The Artist“ hören. Auch ich war anfangs eher distanziert. Schließlich fehlt mir aufgrund meines Alters völlig der Bezug zur Stummfilmära und nostalgische Gefühle würden aus diesem Grund überhaupt nicht aufkommen. Die ältesten Filme, die ich bisher bewusst gesehen habe, dürften „Moby Dick“ (1956), „King Kong und die weiße Frau“ (1933) und „Im Westen nichts Neues“ (1930) sein. Für einen Großteil der breiten Masse haben diese Streifen wohl Fossilien-Charakter, doch immerhin weisen sie bereits Ton auf.

Was hat mich schließlich doch dazu gebracht, mir „The Artist“ anzusehen? Nun, ich denke, dass es zum einen meine Neugier auf ein doch recht mutiges Filmprojekt war. Zum anderen hat der Film bei der diesjährigen Oscarverleihung einige Preise abgeräumt, unter anderem in der Königsdisziplin „Bester Film“. Auch wenn man nicht kritiklos den Oscars vertrauen sollte (denn schließlich sind sie ja keine goldenen Popcornguys), können solche Erfolge einen Vertrauensvorschuss bewirken. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Wie gesagt, Nostalgie kann es nicht gewesen sein, was ich während des Films spürte. Aber es gab Momente in „The Artist“, die mich wirklich tief berührten und die es mit Ton kaum besser geschafft hätten – höchstwahrscheinlich sogar weniger gut. Das Fehlen von Geräuschen und Stimmen gibt den oftmals hörgeschädigten Zuschauer des 21. Jahrhunderts die Chance, sich ungestört auf andere Elemente des Films zu konzentrieren: Bild, Musik und Gestik, beziehungsweise Mimik der Schauspieler.

Die Musik erscheint – ohne jedoch altbacken zu wirken – wie aus einer anderen Zeit. Das Hollywood der 30er Jahre tut sich einem in zahlreichen Facetten auf und dem Soundtrack gelingt es, die verschiedenen Stimmungen perfekt einzufangen, beziehungsweise zu transportieren. Auch die Bildkompositionen werden zu Kunstwerken, die man – wie bereits erwähnt – aufgrund der fehlenden Stimmen viel bewusster wahrnimmt. Als Beispiel fällt mir eine Szene ein, in der George Valentin bei einem Tiefpunkt seiner Karriere angekommen ist und niedergeschlagen an einem Kino vorbeigeht. Dort wird gerade ein Film mit dem Titel „Lonely Star“ beworben. Diese Bildanordnung in Kombination mit der Musik ergibt ein meiner Meinung nach perfektes und absolut stimmiges Stückchen Kunst. Der Schnitt und die Kameraeinstellungen sind allerdings – zumindest würde ich das so sehen – den heutigen Kinogewohnheiten größtenteils angepasst.

Natürlich lebt „The Artist“ aber auch von seinen Schausspielern. Jean Dujardin brilliert in seiner Rolle, in der er sowohl charismatisch-komisch-überheblich, als auch tragisch-niedergeschlagen überzeugt. Die Verleihung des Oscars ist hier in jedem Fall gerechtfertigt, es gelingt ihm als männliche Hauptfigur den Zuschauer vom ersten Moment an zu faszinieren. Doch da ich ein Mann bin, muss ich einfach die Leistung von Bérénice Bejo erwähnen. Selten hat mich ein weibliches Geschöpf auf der Kinoleinwand so verzaubert. Sie spielt witzig, frech und kess, bewegt sich mit viel Charme und Tanz über die Bildfläche, hat aber ebenso Momente, in denen sie unglaublich zerbrechlich wirkt und man sie einfach nur in den Arm nehmen will. Dass sie den Oscar für die beste Nebenrolle nicht bekommen hat, ist meiner Meinung nach eine Frechheit und sollte mit der Verleihung des goldenen Popcornguy im nächsten Jahr berichtigt werden.

Die Handlung an und für sich ist nicht besonders originell und komplex, aber das muss sie auch nicht sein. „The Artist“ ist eine Tragikomödie mit genügend anderen unkonventionellen Stilmitteln. Die Schlichtheit des Plots erzeugt eine unheimlich angenehme Wärme und es ist einfach nur ein Vergnügen, diesen Film und den Werdegang der beiden Hauptfiguren bis zum Ende zu verfolgen. Als besonders trickreicher Kniff erscheint mir, die Thematik des Endes der Stummfilmära mit einem Stummfilm zu thematisieren. An vielen Stellen spielt „The Artist“ auch mit der Konkurrenz der beiden Epochen. Beispielsweise leidet der durch den Tonfilm bedrohte George Valentin unter einem schlimmen Traum, in welchem auf einmal Geräusche zu hören sind.

Um zum Schluss zu kommen: „The Artist“ ist ein großartiger Film aus französischer Produktion, den man als Filmfan keinesfalls verpassen sollte – auch, wenn einem sonst der Bezug zum Stummfilm fehlt. Ich verteile vorerst 9 von 10 Popcornguys.

Noch ein kleiner Hinweis zum Schluss: Bitte wählt eure Favoriten für die Verleihung der Golden Popcornguys! Weitere Infos gibt es..

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