Schindlers Liste

Titel: Schindlers Liste (Originaltitel: Schindler’s List)
Regisseur: Steven Spielberg
Musik: John Williams
Darsteller: Liam Neeson, Ben Kingsley, Ralph Fiennes

Hier der Trailer.

Schindlers Liste erzählt die beeindruckende, wahre Geschichte des geheimnisvollen Oskar Schindler, Mitglied der NSDAP, Frauenheld und Kriegsgewinnler, der während des Holocaust das Leben von über 1.100 Juden rettete. Der Film handelt vom Triumph eines Mannes, der etwas bewirkte, und vom dramatischen Schicksal derer, die dank seiner Zivilcourage eines der düstersten Kapitel der Menschheitsgeschichte überlebten.

Es gibt Filme, nach denen einem die Worte fehlen – wohlwissend, dass man gerade dabei ist, ein Meisterwerk zu verarbeiten. So gesehen könnte ich also gleich zur bestmöglichen Bewertung kommen, ohne den Versuch zu unternehmen, eine halbwegs gerechte Kritik zu schreiben. Aber da man den Lesern dieses Blogs ja einiges zumuten kann, probiere ich es trotz meiner Bedenken mit einem umfassenderen Review.

1993 könnte man als das Jahr bezeichnen, in dem es Steven Spielberg gelang, sich als Regisseur mit zwei völlig verschiedenen Filmen zwei Denkmale zu setzen. Zum einen haben wir „Jurassic Park“ mit seinen bahnbrechenden Effekten und der spannungsgeladenen Story, die aus dem Dino-Spektakel einen populären Klassiker zauberten. Zum anderen haben wir „Schindlers Liste“, der möglicherweise für Spielberg – der ja Jude ist – eine unheimlich persönliche Bedeutung haben dürfte.

Liam Neeson spielt den Industriellen Oskar Schindler, den zu Beginn des Films reine Profitgier nach Krakau treibt. Polnische Arbeiter sind billig, doch der Geschäftsmann weiß, dass Juden noch billiger sind. Mit dem materiellen Ziel, ein möglichst umsatzstarkes Unternehmen aufzubauen, stellt Schindler jüdische Arbeiter in seiner Fabrik ein, welche Geschirr für die Streitkräfte herstellt. Schindler tritt darüber hinaus äußerst charismatisch auf und hinterlässt bei den SS-Beamten Polens großen Eindruck.

Schindlers Motive erfahren erstmals bei der Räumung des Krakauer Ghettos einen Wandel. Er wird Zeuge des brutalen Vorgehens gegen die jüdische Bevölkerung, wobei ihm besonders ein dreijähriges Mädchen auffällt, welches nach einem Versteck sucht. Spielberg betont dieses Kind dahingehend, dass sein Mantel in roter Färbung gezeigt wird – der restliche Film zeigt sich in Schwarzweiß-Aufnahmen, was zu einer stärkeren Authentizität beiträgt. In der besagten Szene gelingt es Neeson durch bloße Mimik, die langsame Veränderung der Beweggründe Schindlers anzudeuten.

Etwa zur selben Zeit betritt mit Amon Göth – dargestellt von Ralph Fiennes – der große Antagonist des Films die Bühne. Es ist die Aufgabe des SS-Offizierst, die Räumung des Krakauer Ghettos durchzuführen und ein Arbeitslager für die Juden zu errichten. Als Filmemacher muss man hinsichtlich des Bösewichts keine große Kreativität aufbringen, wenn die Geschichte selbst gewissenlose Monster wie Göth liefert. Dennoch ist es beachtlich, wie widerwärtig Fiennes dieser historischen Person Leben einhaucht. Jedem, der „Schindlers Liste“ sieht, wird sich garantiert folgende Szene auf ewig ins Gedächtnis einbrennen: Göth wacht morgens in seiner Villa auf, geht mit einem Gewehr hinaus auf seinen Balkon, visiert völlig willkürlich eine Reihe von jüdischen Zwangsarbeitern an und erschießt sie im Zuge eines geschmacklosen Morgensports.

Schindler begibt sich nun in Verhandlungen mit diesem Ungeheuer. Mithilfe von Bestechungsgeldern gelingt es ihm, seine jüdischen Arbeiter zu halten und damit vor den brutalen Zuständen im Lager zu beschützen. Dass die ursprüngliche Profitgier Schindlers ins Wanken gerät, zeigt sich vor allem an folgender Szene: Eine jüdische Frau bittet ihn, ihre Eltern – die objektiv keinen Nutzen für Schindlers Fabrik haben – einzustellen und damit zu retten. Schindler reagiert zunächst erbost, geht dem Wunsch der Jüdin aber schließlich doch nach. Weitere bemerkenswerte Szenen folgen: Schindler verschafft den in Zugwaggons gepferchten Juden Abkühlung durch Wasserschläuche, er baut im Gespräch ein jüdisches Hausmädchen auf und küsst während seiner Geburtstagsfeier jüdische Arbeiter. Dies führt zu einer kurzen Inhaftierung Schindlers.

Die Ereignisse spitzen sich zu, als der Holocaust in die Endphase tritt und aus Berlin der Befehl kommt, die jüdischen Arbeiter nach Auschwitz zu bringen. Als Göth die Leichen der bereits gestrobenen Juden ausgräbt und verbrennt, entdeckt Schindler zum zweiten Mal das kleine Mädchen im roten Mantel – doch nun ist sie tot. Dieses Erlebnis schließt den Charakterwandel Schindlers ab. Er bietet Göth eine Million Reichsmark aus der eigenen Kasse, um eine Liste mit Namen aufsetzen und vorlegen zu können. Es gelingt ihm, etwa 1.100 Juden auf diese Weise freizukaufen und in seine alte Heimat Brünnlitz zu schaffen. Dabei kommt es noch zu einem Zwischenfall, der unheimlich dramatisch und packend inszeniert ist: Während die Züge mit den männlichen Schindler-Juden in Brünnitz ankommen, werden die Frauen irrtümlicherweise doch nach Auschwitz verfrachtet. Schindler eilt ins Vernichtungslager, besticht dort Rudolf Höß und kann schließlich auch die Frauen aus den Fängen des Holocausts retten.

Die Rote Armee befreit am Ende des Films Polen und Schindler muss – da er ja NSDAP-Mitglied ist – zunächst fliehen. Die 1.100 jüdischen Arbeiter, die auf Schindlers Anweisung hin die letzten Monate vor Kriegsende die Herstellung von Patronenhülson boykottierten, unterschreiben allesamt einen Brief, welcher erklärt, was geschehen ist. Außerdem schenken sie ihrem Retter einen Ring mit einem Zitat aus dem Talmud: „Wer nur ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt.“ Der zu Tränen gerührte Schindler, der sein gesamtes Vermögen als Bestechungsgeld verwendet hat, um Juden zu retten, blickt auf seinen Wagen: Noch zehn weitere Menschen hätte er retten können, wenn er es hergegeben hätte. Dies ist eine unglaublich intensive Szene, die in diesem Moment stark auf die hohe Schauspielkunst Liam Neesons baut.

„Schindlers Liste“ endet mit Aufnahmen der heutigen Schindler-Juden, die – gemäß jüdischer Tradition – Steine auf das Grab Oskar Schindlers legen. Dabei treten auch Personen vor die Kamera, die im Film dargestellt wurden. Hier schließt sich der Kreis und der Zuschauer wird in den Abspann entlassen, welcher von der großartigen Musik von John Williams untermalt wird. Dass nun alles außer der Höchstwertung ausgeschlossen ist, wird jeder verstehen, der „Schindlers Liste“ kennt, beziehungsweise den Film bis zum Ende verfolgt hat.

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