Der Gott des Gemetzels

Titel: Der Gott des Gemetzels (Original: Carnage)
Regisseur: Roman Polanski
Musik: Alexandre Desplat
Darsteller: Christoph Waltz, Jodie Foster, Kate Winslet, John C. Reilly

Hier der Trailer

Nach einem gewaltvollen Streit, bei welchem einer der Kontrahenten zwei Schneidezähne verlor, treffen sich die Eltern der beiden Jungs, um die Situation zu besprechen und eine Lösung des Konflikts zu erarbeiten.

Damit ist die Rahmenhandlung eigentlich schon gesagt.
Vielleicht ist es die Euphorie, die einem nach dem Kinobesuch befällt, welche mich grade so für diesen Film begeistert, immerhin habe ich gerade vor einer halben Stunde den Kinosaal verlassen. Aber es könnte durchaus sein, dass mein erster Kinofilm im Jahr 2012 durchaus zu den Besten dieses Jahres gehören wird. Fangen wir von vorn an:
Als ich das erste Mal den Trailer sah, war ich begeistert. Nicht nur dass der Name Polanski nicht nur irgend ein Name ist, genausowenig die Namen Waltz, Foster, Winselt und Reilly. Dass hier glänzende Schauspielarbeit geleistet wird – und zwar von wirklich allen Beteilgten – nehme ich gleich vorweg. Nein schon der Trailer hat mir sehr gut vermittelt, was hier von statten geht. Leute treffen sich, versuchen etwas zu besprechen, und schon von Anfang an lässt sich eine gewisse Anspannung feststellen. Die Atmosphäre ist ungewohnt ruhig, bevor die Hölle losbricht. Das passiert nämlich in „Gott des Gemetzels“. Aus der anfangs zurückhaltenden Hülle bricht irgendwann aller Ärger, aller Hass und aller Spott heraus – und dies ist unglaublich köstlich gut in Szene gesetzt. Jodie Foster stellt von Beginn an ihren Sinn für Gerechtigkeit vorne an, bis sie sich zu einem frustrierten Gutmenschen entwickelt. Kate Winslet gibt sich anfangs kühl und distanziert, bis – genervt vom Desinteresse ihres Mannes – alles aus ihr herausbricht. John C. Reilly hält seine Fassade besonders lang – der gutmütige, stets um Frieden bemühte Typ entwickelt sich irgendwann in einem – Zitat: „total cholerischen Dreckschwein“. Ja und Christoph Waltz, der ist eigentlich von Anfang an zynisch und desinteressiert, und braucht sozusagen gar keine Fassade aufbauen.
Interessant ist, dass alle diese Charakterzüge (zumindest die höfliche Fassade) schon in den ersten Sekunden ersichtlich werden. Umso mehr Freude macht es, die Freundlichkeit bröckeln zu sehen. Die Paare gehen immer mehr aufeinander los, oder selbst aufeinander, oder bilden untereinander Parteien. Der Konflikt springt von Person zu Person, wie auch der Konflikt selbst nicht bei den ausgeschlagenen Zähnen des Sohnes bleibt.
Warum macht dieser Film so viel Spaß? Ich glaube es ist schlicht die Tatsache, dass man das anfängliche Geplauder, den netten Austausch und die unglaubliche Bemühungen um konfliktfreie Lösung mit einem innerlichen Lächeln betrachtet. Man weiß ganz genau, dass man selbst auch so handeln würde, obwohl man innerlich brodelt. Und man weiß (und spürt in einigen Momenten) dass es den dargestellten Personen ebenso geht. Emotionen kochen hoch – nicht nur im Film, sondern auch beim Betrachter.

Es kommt wirklich äußert selten vor, dass ich einen Kinofilm mit Dauergrinsen bestreite – hier war es der Fall. Deshalb bekommt „Der Gott des Gemetzels“ von mir volle 10 von 10 Popcornguys.

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