Adams Äpfel

Bevor ich mich in eine kurzzeitige Internetlosigkeit begebe, möchte ich noch schnell einen kleinen Insidertipp loswerden. Für die nächste Zeit müssen sich die eifrigen Leser des Blogs allein auf die hoffentlich zahlreichen Beiträge von prestophisto freuen 😉

Titel: Adams Äpfel
Regisseur: Anders Thomas Jensen
Musik: Jeppe Kaas
Darsteller: Ulrich Thomsen, Mads Mikkelsen

Hier der Trailer

Adams Äpfel – so nennt Ivan, Landpfarrer irgendwo im dänischen Nirgendwo, die Äpfel im Gemeindegarten, seit Adam sich die Aufgabe gestellt hat, aus ihnen einen Apfelkuchen zu backen. Adam ist der Neuzugang in Ivans Oase der Nächstenliebe, in der er Straffällige zu resozialisieren versucht. Seine derzeitigen Schäfchen sind neben dem gewalttätigen Neonazi Adam der Trinker und Triebtäter Gunnar und der arabische Tankstellenräuber Khalid. Auf den ersten Blick ein überzeugter Gutmensch, entpuppt sich Ivans Barmherzigkeit jedoch bald als Besessenheit, die keine Widerrede aufzunehmen duldet. Adam beschließt, den Kampf aufzunehmen und Ivans poitiver Sicht der Dinge einen Schuss böse Realität zu verpassen.

Diese mehrfach preisgekrönte Perle aus Dänkemark erweichte schon vor Jahren mein Herz. Anders Thomas Jensen, der Filme wie „In China essen sie Hunde“ und „Dänische Delikatessen“ gedreht hat, liefert hiermit seine vermutlich beste Arbeit ab.  Vollkommen absurd, lustig, traurig, emotional, wunderbar. So und noch weiter könnte ich diesen Film beschreiben. Einfach genial gespielt und nahezu irrwitzig sind die Rollen: Ulrich Thomsen gibt einen tollen Naziskin, welcher sich in der kleinen Gemeinde in seinem schlimmsten Alpträumen wiederfindet: Ein absoluter Gutmensch von Pfarrer, sowie ein Araber und ein Tollpatsch als Mitbewohner des kleinen Paradieses. Die lächerliche Aufgabe, sich um den Apfelbaum zu kümmern (als Antwort auf Adams sarkastische Aussage, er würde gern einen Apfelkuchen backen) und sein liebevoll aufgehängtes Bildnis von Hitler, welches bei jedem morgendlichen Geläut der Glocken von der Wand fällt. Adam ist schier in der Hölle gefangen. Dabei wird die Rolle des Pfarrers Ivan (perfekt dargestellt von Mads Mikkelsen, bekannt als Gegenspieler von James Bond in Casino Royale) langsam klarer. So gut ist das Leben nicht, wie Ivan es darstellt. Er selbst muss sogar mit einer ganzen Reihe von Widrigkeiten kämpfen, die er mit einer einstudierten Gelassenheit und einer gehörigen Portion Optimismus überspielt. Adam beginnt an diesem Kartenhaus zu rütteln – und beginnt sich selbst zu verändern.
Alles in allem ist dieser Film schlicht brilliant. Makaber und böse, komisch, tiefschwarzer Humor und traurige wie herzerwärmende Szenen, Adams Äpfel fehlt es an nichts. Die Indie-Produktion ist kein großes Popcornkino, sondern ein tiefgängiger, schöner Film. Die Charaktere wachsen einem trotz ihrer schweren Fehler ans Herz – selbst der fiese Neonazi, der irgendwann doch beginnt, sich um seinen Apfelbaum und das damit verbundene Ziel, einen Apfelkuchen zu backen, kümmert.

Adams Äpfel kratzt nicht an der Oberfläche, sondern geht tief in die Materie, geht tief hinein in menschliche Fehler und Abgründe, aber auch in Möglichkeiten, Träume und zweite Chancen. Ohne jeglichen Kritikpunkt erlaube ich mir, diesen Film wärmstens zu empfehlen.
Und bevor ich mir nun ein Stück Apfelkuchen gönne, vergebe ich 10 von 10 Popcornguys!

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