„The Tree Of Life“

Titel: The Tree Of Life (Originaltitel: The Tree Of Life)
Regisseur: Terrence Malick
Musik: Alexandre Desplat
Darsteller: Brad Pitt, Jessica Chastain, Sean Penn

Filmkritik:
Ein schwer verdaulicher Film eines eigenwilligen Regisseurs, der in seiner Thematik aufs Ganze geht und viele Kinobesucher noch vor der Halbzeit den Saal verlassen lässt. Diese und noch andere Meldungen konnte man im Vorfeld zu Terrence Malicks „The Tree Of Life“ vernehmen. Ich persönlich bin schon vor Jahren auf das Projekt aufmerksam geworden, als das Drehbuch wohl noch ein anderes war und Heath Ledger eine Hauptrolle übernehmen sollte. Dann verschwand „The Tree Of Life“ für einige Zeit aus meinem Sichtfeld, bis ich ihn nun endlich in einem kleinstädtischen Kino entdecken und ansehen durfte.
Auch einen Tag danach kann ich meine Eindrücke immer noch nicht richtig in Worte fassen. Auf was der Film letztendlich hinaus will, ist mir auch nicht ganz klar. In einem Moment erscheint „The Tree Of Life“ so simpel und wohltuend, im nächsten greift er wortwörtlich nach den Sternen und scheint jegliche Kinoleinwand zu sprengen. Die augenscheinliche Rahmenhandlung bildet eine Familiengeschichte im Amerika der 50er Jahre, die über Rückblenden des erwachsenen Jack (gespielt von Sean Penn) fragmentarisch gezeigt wird. Die Kindheit der Hauptfigur ist von strenger religiöser Erziehung und der Autorität des Vaters (Brad Pitt) geprägt, die sanfte Güte der Mutter (Jessica Chastain) bildet dazu einen Gegenpol. Mit zunehmendem Alter und Erfahrungen von Tod und Leid lehnt sich der pubertierende Jack gegen seinen Vater und die Welt auf. Durch die Rückblenden erfährt man auch, dass einer seiner Brüder früh stirbt und die Familie phasenweise am Zerbrechen ist.

Wäre dies alles, was „The Tree Of Life“ zu bieten hat, würde es sich beim Film um ein relativ gewöhnliches Drama mit interessanten Kameraeinstellungen handeln. Doch der eigenwillige Regisseur Terrence Malick geht noch viel weiter. Aus dem Off erklingen permanent existentielle Fragen, die ich als einen Dialog mit Gott interpretieren würde. Das Ende des Films bildet eine versöhnende Jenseitsvorstellung und noch im ersten Drittel wird dem Zuschauer in einer langen Sequenz die Entstehung der Erde gezeigt – mit Hilfe wunderschöner und überwältigender Naturaufnahmen und Animationen, die mit grandioser klassischer Musik unterlegt werden. Malick setzt also das persönliche Drama der amerikanischen Familie in einen universalen Kontext und vergleicht den Werdegang der Hauptfiguren mit der Weltschöpfung.
Nicht nur Fans faszinierender und unkonventioneller Kameraeinstellungen werden bei „The Tree Of Life“ auf ihre Kosten kommen, sondern auch Zuschauer, die sich gerne von einem Film aufwühlen lassen und gute Schauspielarbeit schätzen. Brad Pitt und Jessica Chastain überzeugen auch ohne viele Worte und Sean Penn gelingt es durch seinen Charakterkopf mit lediglich zwei bis drei vollständigen Sätzen zu fesseln. Besonders hervorheben sollte man noch Hunter McCracken, der den jungen Jack spielt und den Film über weite Strecken trägt.

Wie bewertet man nun einen solchen Film? Gestern wusste ich es definitiv nicht, heute weiß ich es auch nicht so richtig. Ich weiß nur, dass mich dieses Jahr nur zwei andere Kinofilme in ähnlicher Weise berührt oder aufgewühlt haben, und das waren „Black Swan“ und „Biutiful“. So bleibt mir zum Schluss nur noch zu sagen, dass „The Tree Of Life“ ein absolut sehenswertes Kunstwerk außerhalb gewöhnlicher Definitionen ist, das verdient 10 von 10 Popcornguys einfährt.

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